Ausgabe: September-Oktober 2026

Kommentar

Pflege braucht Herz

Catharina Bauer, Inhaberin von Pflege mit Herz in München, Foto: PRIVAT

Pflege beginnt oft leise. Ein Elternteil braucht plötzlich Unterstützung, der Partner wird krank oder ein Angehöriger kann den Alltag nicht mehr allein bewältigen. Von einem Tag auf den anderen verändert sich das Leben. Aus Tochter, Sohn oder Ehepartner wird eine pflegende Angehörige oder ein pflegender Angehöriger.

Ich erlebe immer wieder, wie groß die Bereitschaft ist, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig sehe ich aber auch, welche Herausforderungen damit verbunden sind. Pflege kostet Zeit, Kraft und Geduld. Sie bringt Freude und Dankbarkeit mit sich, aber auch Erschöpfung, Sorgen und manchmal das Gefühl, den Anforderungen nicht gerecht zu werden. Noch dazu kommen die nicht unerheblichen finanziellen Kosten.

Gerade deshalb ist es so wichtig, Hilfe anzunehmen. Niemand muss alles allein wissen oder können. Besonders ans Herz legen möchte ich allen pflegenden Angehörigen, die regelmäßigen Beratungstermine eines Pflegedienstes wahrzunehmen. Diese Beratungen sind weit mehr als eine formale Pflicht. Sie bieten wertvolle Informationen über Hilfsmittel, Entlastungsangebote, finanzielle Leistungen und praktische Tipps für den Pflegealltag. Oft erfahren Angehörige dort Dinge, die ihnen den Alltag spürbar erleichtern und die sie allein gar nicht kennen würden. Gute Beratung schafft Sicherheit und kann helfen, Überforderung frühzeitig zu vermeiden.

Ebenso unverzichtbar ist das Ehrenamt. Ehrenamtlich engagierte Menschen schenken Zeit, hören zu, begleiten, besuchen oder entlasten Familien für einige Stunden. Was für die eine Person vielleicht selbstverständlich erscheint, kann für eine pflegende Angehörige oder einen pflegenden Angehörigen eine dringend benötigte Pause bedeuten. Diese Zeit zum Durchatmen ist kein Luxus – sie ist wichtig, um auf Dauer Kraft zu behalten.

Mein Wunsch ist, dass wir Pflege nicht nur als Aufgabe einzelner Familien verstehen, sondern als gemeinsame Verantwortung. Jeder Mensch verdient Würde, Zuwendung und Begleitung – ebenso wie die Menschen, die Tag für Tag für ihre Angehörigen da sind.

Allen pflegenden Angehörigen möchte ich Mut machen: Sie leisten etwas von unschätzbarem Wert. Achten Sie dabei auch auf sich selbst, nehmen Sie Unterstützung an und scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen. Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung. Gemeinsam – mit professioneller Beratung, engagierten Ehrenamtlichen und einer solidarischen Gemeinschaft – kann Pflege gelingen.


Verfasst von:

Catharina Bauer

Inhaberin von Pflege mit Herz, München