Ausgabe: September-Oktober 2026

Schwerpunkt

Pfarrcaritas

Zeichen der Zuwendung: Die Ehrenamtlichen der Pfarrcaritas schlagen durch regelmäßige Besuche und kleine Alltagsdienste eine Brücke zu kranken sowie mobilitätsbeschränkten Menschen und holen sie aus der Isolation zurück in die Gemeinschaft. Foto: CORINNA BAHN

Ehrenamtliche kümmern sich um Pflegebedürftige

Eine lebendige christliche Gemeinde zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Hilfsbedürftigkeit der Menschen vor Ort im Blick behält. Im Bereich der Pfarrcaritas setzen ehrenamtliche Besuchsdienste und Netzwerke die Botschaft der Nächstenliebe in die Praxis um, schenken pflegebedürftigen Menschen Zuwendung und leisten unkomplizierte Einzelfallhilfe im Alltag.

Eine christliche Gemeinde ist lebendig, wenn Menschen angenommen werden, sich Menschen um andere sorgen und in Not helfen. Eine lebendige Pfarrgemeinde zeichnet sich also dadurch aus, dass sie die Sorgen und Hilfsbedürftigkeit der Menschen aufspürt und an die Ränder geht. So erfüllen engagierte Christinnen und Christen den kirchlichen Grundauftrag der „Diakonia“ – Nächstenliebe und Geschwisterlichkeit, das uns seit jeher auszeichnet. Jesu Blick galt den Menschen, die seine Hilfe am dringendsten benötigt haben. Wenn wir in der Nachfolge Jesu handeln, können wir mit unseren Taten viel Gutes bewirken und in der Gesellschaft Zeichen setzen. Durch solche Taten erhält die Kirche ein menschliches Gesicht, und die Botschaft der Nächstenliebe des Evangeliums wird in die Praxis umgesetzt. Gemeinsam in einer Gruppe kann das viel Freude machen und für freiwillig Engagierte sehr bereichernd sein. Insbesondere im Bereich der Pfarrcaritas – dem Dienst am Nächsten – sind die Möglichkeiten für ein freiwilliges Engagement oder Ehrenamt sehr vielfältig.

Was kann eine Pfarrgemeinde tun?

Ein offener Blick in den Sozialraum der Pfarrgemeinde ist dabei unabdingbar. Leitfragen dazu können sein: Welche Menschen leben bei uns – sind es viele Familien mit Kindern oder ältere Menschen? Wie leben diese Menschen in unserer Pfarrgemeinde – in Einfamilienhäusern oder Wohnblöcken? Gibt es besondere Einrichtungen wie Senioren- und Pflegeheime? Wenn zu Letzteren bereits guter Kontakt besteht, dann kann dieser Personenkreis unmittelbar einbezogen werden.

Ehrenamtliche gewinnen für bestimmte Tätigkeiten. Diese sollten ihren Zeiteinsatz selbst bestimmen können und auf ihre Tätigkeit vorbereitet werden. Regelmäßige Austauschrunden in der Gruppe (zum Beispiel in einem Sachbereichsgremium) mit anderen Ehrenamtlichen, die sich auch in diesem Bereich engagieren, und Fortbildungsmöglichkeiten sind hier essenziell. Eine enge Zusammenarbeit mit der Seelsorge, den Pfarrbüros und dem örtlichen Caritaszentrum ist erforderlich, da das voneinander Wissen effizient ist. So können bei Bedarf auch Angebote von Fachdiensten vermittelt werden.

Menschen finden, die Hilfe benötigen

In jeder Pfarrei gibt es Kranke oder nicht mehr mobile Menschen, die zuhause gepflegt und umsorgt werden, aber sonst von der Außenwelt abgeschnitten sind. Das ist ein Ansatzpunkt für Besuchsdienste. Die Ehrenamtlichen stimmen mit den Angehörigen ab, wann ein Besuch gewünscht wird oder kleine Hilfen wie Einkaufen oder Spazierengehen notwendig sind. So kann auch der Einsamkeit vorgebeugt werden und pflegende Angehörige kurzzeitig entlastet werden (hierbei sind nicht Leistungen nach § 45a ff. Sozialgesetzbuch XI gemeint). Die Pflege selbst wird den professionellen Diensten überlassen, die vielen kleinen Dienste zum Wohle von Kranken werden durch unsere Ehrenamtlichen der Pfarrcaritas gemacht.

Sehr viel Wert wird in (Pfarr-)Gemeinden auf Besuche zum Geburtstag bei betagten Gemeindemitgliedern gelegt. Hier wird oft erfahren, welche Schicksale sich hinter den verschlossenen Wohnungstüren abspielen. Wenn Bedarf erkennbar wird, kann durch geschulte Besuchsdienste Hilfe aufgezeigt werden. Wenn die Betroffenen einverstanden sind, wird Hilfe angeboten; falls nicht, wird der Datenschutz respektiert. Das ist gut, denn so behält die Pfarrgemeinde den Überblick und kann versuchen, Fachkräfte oder andere soziale Einrichtungen hinzuzuziehen.

In vielen Pfarrgemeinden ist es auch üblich, Besuche zu bestimmten kirchlichen Feiertagen zu machen und kleine Aufmerksamkeiten zu überbringen. Bei allen Besuchen wird darauf aufmerksam gemacht, dass auf Wunsch gerne ein Seelsorger kommt, um ein Gespräch zu führen oder die Haus- oder Krankenkommunion zu spenden. Hierzu gibt es in einigen Pfarreien auch ehrenamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger, die mit der Pfarrcaritas zusammenarbeiten.

Bei Besuchsdiensten ist darauf zu achten, dass die Besuchenden nicht laufend wechseln. Ein bekanntes Gesicht baut Vertrauen auf.

Eine weitere Möglichkeit für Kontakte sind Krankenbriefe, die zu bestimmten Anlässen, Feiertagen oder monatlich versendet werden. Diese erreichen ungezwungen die Pflegebedürftigen und verbinden sie mit ihren Pfarrgemeinden. Dieses Engagement der Ehrenamtlichen in den Pfarrgemeinden führt häufig zu positiven Rückmeldungen aus den Familien der Kranken und Pflegebedürftigen.

Zweimal pro Jahr, jeweils im Frühjahr und Herbst, findet die Caritassammlung statt. Ob als Brief- oder Haussammlung, auch hier sind engagierte Ehrenamtliche in den Pfarreien tätig, und die hohe Spendenbereitschaft trägt zu notwendigen Hilfeleistungen bei. Ein Teil der Sammlungsgelder bleibt in der Pfarrei, um im Einzelfall, für Notfälle, sofort und unkompliziert helfen zu können. Wenn die eigenen finanziellen Mittel zum Monatsende erschöpft sind, kann über das Pfarrbüro eine Fahrkarte zum Arztbesuch oder ein Eigenanteil für Medikamente übernommen werden. Damit werden die Spendengelder nach dem „Solidaritätsprinzip“ von Menschen vor Ort für Hilfsbedürftige vor Ort eingesetzt.

Netzwerke sind wichtig

Über die Möglichkeiten, um Kontakt zu diesen Kirchenmitgliedern zu erhalten und umzusetzen, sollte sich auch auf Ebene der Dekanate und Diözesen ausgetauscht werden. So entsteht ein größeres Gemeinschaftsgefühl, nicht allein handeln zu müssen, und man erfährt viel praktisches Wissen. Eine Vernetzung mit den diversen sozialen Fachdiensten ist sehr wichtig und wird dadurch ebenfalls gefördert.

Die Diözesan-Arbeitsgemeinschaft (ARGE) „Caritas und Sozialarbeit“ der Ehrenamtlichen in der Erzdiözese München und Freising feiert 2026 ihr 30jähriges Bestehen. Durch die Mitgliedschaft im Bundesverband der Caritas-Konferenzen Deutschlands (CKD) und über die Diözesanverbände der Caritas-Konferenzen Deutschlands – das Netzwerk von Ehrenamtlichen – setzen sich die Mitglieder auf Bundesebene über Lobbyarbeit und Positionierungen für die Bedürfnisse von Hilfsbedürftigen und Ehrenamtlichen ein. Durch die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Caritasverband und dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) erfolgt der Einsatz für Soziales und Caritatives auf allen Ebenen.

Über die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Krankenhaus-Hilfe sind viele „Grüne Damen und Herren“ vernetzt, die in den Krankenhäusern ehrenamtlich unter anderem Gespräche am Krankenbett führen, zu Untersuchungen begleiten oder bei Besorgungen von Dingen des täglichen Bedarfs im Krankenhaus helfen, ebenfalls ein Teil des großen Netzwerkes.

Durch die Arbeit in diesen Netzwerken ist es möglich, auf politische Entscheidungen einzuwirken und in der Öffentlichkeit entsprechend Gehör zu bekommen. Ehrenamtliche erhalten durch die umfangreichen Vernetzungen Beratung, Begleitung, Fortbildungen und Unterstützung für ihre Tätigkeit.

So halten wir uns an unser großes Vorbild in den ARGEn und der CKD: Vinzenz von Paul, der sagte: „Es sind nicht unsere Ideen, die uns glaubwürdig machen, sondern die Qualität und die Kraft unserer Taten“.

Weitere Informationen:

Die Diözesan-Arbeitsgemeinschaft (ARGE) „Caritas und Sozialarbeit“ der Ehrenamtlichen in der Erzdiözese München und Freising (www.arge-pfarrcaritas.de).

Mitgliedschaft im Bundesverband der Katholischen Krankenhaus-Hilfe (CKD) e. V. (www.ckd-netzwerk.de)

Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Krankenhaus-Hilfe (www.kath-krankenhaushilfe.de)


Verfasst von:

Hilga Wolf und Petra Sigrist

Mitglied im Leitungsteam der Diözesan-Arbeitsgemeinschaft „Caritas und Sozialarbeit“ sowie Geschäftsführerin der Diözesan-Arbeitsgemeinschaft und Regionalgeschäftsführerin im Diözesanrat der Katholiken der Erzdiözese München und Freising