Ausgabe: September-Oktober 2026
SchwerpunktDank Dir
Pflege geht uns alle an
Die Überraschung war bei einigen Kolpingmitgliedern ziemlich groß, als am 12. Mai 2026 eine in orange und grün gehaltene Postkarte im Briefkasten lag. „Dank Dir - im Namen des Kolping Diözesanverbands Eichstätt und deiner Kolpingsfamilie, sagen wir dir von Herzen Danke. Mit deinem unermüdlichen Einsatz, deiner Fürsorge und Geduld schenkst du anderen täglich Halt und Würde. Dein Engagement ist von unschätzbarem Wert – für die Menschen, die du begleitest und für unsere Gemeinschaft. Danke, dass du da bist.“
Am 12. Mai sollen in jedem Jahr die pflegenden Angehörigen im Mittelpunkt stehen. Wenn man bedenkt, dass etwa 83 Prozent der zu pflegenden Menschen zuhause versorgt werden und davon etwa die Hälfte von den Angehörigen allein betreut wird, ist das dringend nötig. Elke Eibl, Vorsitzende der Kolpingsfamilie Ellingen, hat sich der Postkarten-Aktion des Diözesanverbands sofort angeschlossen. „Den Nächsten und die Nöte der Zeit zu sehen, war Adolph Kolping ein ganz wichtiges Anliegen. Als Kolpingsfamilie haben wir einander und unsere Gemeinde im Blick. Pflegende Angehörige leisten einen wichtigen Dienst für die Gesellschaft und unser Zusammenleben.“
Vielfältige Angebote von Pfarreien und Verbänden
Die Angebote, die in den Pfarreien und von katholischen Verbänden im Bereich Pflege zur Verfügung gestellt werden, sind äußerst vielfältig: Das Familienpflegewerk im Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) Bayern unterstützt unter anderem in akuten Notsituationen. In der sogenannten „Verhinderungspflege“ werden pflegende Angehörige im Krankheitsfall oder während des eigenen Urlaubs entlastet; diese Leistung wird von der Pflegeversicherung finanziert. Die 140 Krankenpflegevereine im Bistum sind eine Eichstätter Spezialität und leisten durch ihr besonderes freiwilliges Engagement und ihre flächendeckende Vielzahl seit dem 19. Jahrhundert eine nicht mehr weg zu denkende Unterstützung für die Caritas-Sozialstationen. Als Träger und Förderer, Rückhalt und Ergänzung zur staatlichen Gesundheits- und Pflegeversorgung widmen sie sich der ambulanten, häuslichen Pflege.
Gegen den Fachkräftemangel
Katholische Verbände arbeiten aber auch auf unterschiedlichen Ebenen an der Behebung des Fachkräftemangels in der Pflege. An der Internationalen Kolping Pflegeschule in Kempten haben seit 2019 bereits 65 Auszubildende aus über 21 Nationen ihre Pflegeausbildung abgeschlossen und leisten täglich gute Arbeit in der Pflege. Das Konzept der Internationalität ist das Aushängeschild der Kemptener Kolping-Einrichtung, so Schulleiterin Monika Matje. Der Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerkes in der Diözese Augsburg und Bayerische Landesvorsitzende der Kolping-Bildungswerke, Björn Panne, freut sich über die Aufmerksamkeit und Wertschätzung, die die Pflegeschule in der Politik erfährt. Ein Beleg für diese Aussage war nicht zuletzt der Besuch der Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Katrin Staffler, Mitglied des Deutschen Bundestages (MdB), sowie der Abgeordneten Stephan Stracke und Mechthilde Wittmann. Beim Kolping-Bildungswerk Eichstätt ist Praxiskoordinatorin Pauline Stickler angestellt. Sie ist im Ausbildungsverbund Altmühlfranken als Kümmerin für Auszubildende in der generalistischen Pflege tätig. Nach dem Motto „Potenziale fördern, Integration erleichtern, Zusammenhalt stärken“ zählt es zu den Aufgaben von Stickler, als neutrale Ansprechpartnerin für die Auszubildenden ein offenes Ohr zu haben. Ob Stress im Betrieb, Schwierigkeiten, Anschluss zu finden, oder Heimweh – die Ausbildungskoordinatorin nimmt sich Zeit, hört zu, gibt Ratschläge und verhindert so unter anderem Ausbildungsabbrüche. Eine optimale Lernumgebung zu gewährleisten, ist für Stickler ein Schlüssel zum Erfolg für die Auszubildenden; ein weiterer Erfolgsfaktor ist gelingende Kommunikation.
Rahmenbedingungen für gute Pflege
Die Rahmenbedingungen für pflegende Angehörige und die Pflege in Deutschland insgesamt gerecht und menschenwürdig zu gestalten, ist Anliegen der sozialen Selbstverwaltung in der Sozialversicherung. Engagierte aus Sozialverbänden wie der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) und Kolping sowie evangelische Christinnen und Christen haben sich in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Arbeitnehmerorganisationen (ACA) zusammengeschlossen, um in der Sozialen Selbstverwaltung gemeinsam mit den Gewerkschaften zu agieren. In regionalen Beiräten bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) und Verwaltungsräten in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bringen die ehrenamtlich Engagierten in oft aufwendiger und zeitraubender Arbeit ihre Kompetenz und ihren gesunden Menschenverstand ein, um eine gute Versorgung auf den Weg zu bringen und zu gestalten. Als Selbstverwalter bohrt man oft dicke Bretter und muss einen langen Atem haben – trägt damit aber auch zu einer lebendigen Demokratie, zu Partizipation und zivilgesellschaftlichem Engagement bei. Der Einsatz für die Versicherten lohnt sich aber. Gerade die Arbeit in den Widerspruchsausschüssen erzielt ganz konkrete Ergebnisse. Die paritätisch und ehrenamtlich besetzten Widerspruchsausschüsse in den Krankenkassen sind weisungsungebunden. Sie prüfen, ob abgelehnte Leistungen (zum Beispiel bei Hilfsmitteln und Reha-Maßnahmen) rechtmäßig verweigert wurden. Dafür sind meist hunderte Seiten an Stellungnahmen und Gutachten, zum Beispiel des Medizinischen Dienstes (MD), zu lesen und zu bewerten. Mit ihrer Arbeit entlasten die Widerspruchsausschüsse auch die Sozialgerichte in Deutschland.
Pflege als Bestandteil der Daseinsvorsorge
Spricht man mit Dieter Wagner, so wird schnell klar: Der Einsatz für funktionierende, menschenwürdige Sozialsysteme endet nie. Nach Jahrzehnten in der Sozialen Selbstverwaltung engagiert sich das KAB-Urgestein im Landesseniorenrat. Der mit dem Bayerischen Verfassungsorden ausgezeichnete Wagner hat für den Ausschuss Gesundheit und Pflege ein Positionspapier erarbeitet, in dem unter anderem die Kommunen in die Pflicht für gute Lebensbedingungen genommen werden. Die Schlüsselfunktion der Städte und Gemeinden für gesunde Lebensbedingungen, eine Milderung der Pflegebedürftigkeit und die Entlastung der An- und Zugehörigen pflegebedürftiger Menschen erstreckt sich bis hin zum Erhalt der altersgerechten Mobilität und dem Ausbau barrierefreien Wohnraums. Dieter Wagner ist mit seinem Lebenswerk in der Sozialen Selbstverwaltung ein Vorbild für Menschen jeder Generation.
Die Vorsitzende der Kolpingsfamilie Wemding, Christine Hasmüller, fasst den Einsatz Ehren- und Hauptamtlicher aus Pfarreien und Verbänden treffend so zusammen: „Ein Glück für uns alle, dass wir diese Menschen haben. Ob als pflegende Angehörige, ehrenamtliche Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter oder hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die durch Bildungsveranstaltungen, Koordinierungsaufgaben oder Betreuungsleistungen das Ideal christlicher Nächstenliebe umsetzen – die Menschen spüren die besondere Motivation, mit der sich Pfarrei- und Verbandsmitglieder in Wort und Tat einsetzen“.