Ausgabe: September-Oktober 2026
MeditationKreativ sein
Vermutlich kennen Sie Menschen in Ihrem Umkreis, die Angehörige pflegen. Sie hören von deren Herausforderungen, dies zeitlich meist neben dem Berufsleben zu tun. Sie erfahren, was es an enormen Hürden in der Bürokratie gibt, viele haben finanzielle Fragen und Sorgen, wie die Ausgaben für die Pflege gestemmt werden soll. Auch in unseren Pfarrgemeinden gibt es Menschen, die pflegebedürftige Familienmitglieder haben.
In den Evangelien gibt es sehr viele Berichte darüber, dass Jesus kranke Menschen heilt. In dem Zusammenhang ist auch das Wort Jesu überliefert, dass nicht die Gesunden, sondern die Kranken den Arzt brauchen. Jesus hatte einen ganz besonders aufmerksamen Blick auf die Menschen, die am Rande der Gesellschaft standen oder dorthin gedrängt wurden, aufgrund von Krankheit oder einem „Anders sein“. Zugleich hat Jesus auch einen Blick für die Angehörigen. Es wird mehrfach berichtet, dass ihn deren Not sehr berührt: Er sieht die Sorge des Hauptmanns um seinen kranken Diener (Mt 8), die Trauer der Mutter, die ihren einzigen Sohn verloren hat (Lk 7), er lässt sich berühren vom Vater, der über seine kranke Tochter besorgt ist (Mk 5).
Der Titel dieser Zeitschrift „Gemeinde creativ“ ist an der Stelle sehr passend, um zu überlegen, wie man auf kreative Weise Gemeindemitglieder unterstützen kann, die auf einmal oder immer öfter ihre Zeit für pflegende Angehörige einsetzen und dadurch weniger in die Pfarrei kommen können.
Es braucht Kreativität! Ein gelungenes Beispiel dafür ist die Erzählung im Markusevangelium (Mk 2,1-12). Vier Männer wollen einen Gelähmten zu Jesus ins Haus bringen, damit er ihn heilt. Doch weil ihnen der Weg verstellt ist, klettern sie aufs Dach, schlagen die Lehm-/Strohdecke durch und lassen den Gelähmten auf seiner Tragbahre hinunter. Direkt vor die Füße Jesu!
Nun, das ist keine Anregung, Decken durchzuschlagen! Aber: kreativ zu sein! Denn je nach der Schwere der Situation gibt es vielleicht doch ein „offenes Fenster“, durch das der Kontakt mit der Pfarrei erhalten bleiben kann. Durch kurze Besuche oder Anfrage zur Übernahme von kleinen Diensten. Durch die Technik, eines „Zooms“, vielleicht doch an einer Gruppe oder Besprechung teilnehmen zu können, etc. Und durch die Unterstützung im Gebet. Ein Krankengottesdienst ist eine Weise, den erkrankten oder pflegebedürftigen Menschen vor die Füße Jesu zu legen. ER möge aufrichten, trösten, stärken! Und dazu gehören auch die Angehörigen, die man vergisst. Sie sind ein wichtiger Teil und werden leicht übersehen. Auch sie brauchen die Nähe zum Herrn. Auch sie brauchen Stärkung und Ermutigung. Eine solche Feier bringt Menschen, die in einer solchen Situation schnell an den Rand des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens geraten, in die Mitte der Gemeinde zurück.
Verfasst von:
Sr. Stefanie Strobel sa
Geistliche Direktorin am Institut für publizistische Ausbildung (ifp) in München