Ausgabe: September-Oktober 2026

Gesichter des Landeskomitees

Begeistert sein

Markus Sturm, Landespräses im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Bayern. Foto: DANIEL KÖBERLE

Kirchliches Engagement hat viele Gesichter

Markus Sturm, Landespräses im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Bayern, engagiert sich seit vielen Jahren in der kirchlichen Jugendarbeit. Besonders am Herzen liegt ihm, dass junge Menschen Kirche als einen Ort erleben, der Sinn stiftet, Beteiligung ermöglicht und echte Lebensrelevanz hat.

Warum brennen Sie für die kirchliche Arbeit? 
Weil ich immer wieder erlebe, dass Kirche Menschen zusammenbringen und stärken kann. Besonders in der kirchlichen Jugendarbeit entstehen Räume, in denen junge Menschen ihre Fragen stellen, Verantwortung übernehmen und ihren eigenen Standpunkt entwickeln können. Dort wird Glaube nicht als fertige Antwort vermittelt, sondern als gemeinsame Suche nach Orientierung und Sinn. 
  
Was beschäftigt Sie im Moment? 
Mich beschäftigt die Frage, wie Kirche jungen Menschen in einer Zeit vieler Krisen Orientierung und Halt geben kann. Viele stehen vor Herausforderungen, die derzeit in einer neuen Schärfe auftreten: globale Konflikte, gesellschaftliche Polarisierung, Fragen nach Wehrdienst und Verantwortung für die Demokratie sowie Unsicherheiten im Blick auf die eigene Zukunft. 
Ich glaube, dass Kirche hier eine wichtige Rolle spielen kann. Nicht indem sie einfache Antworten liefert, sondern indem sie Räume eröffnet, in denen Fragen offen diskutiert werden können. Gerade angesichts antidemokratischer Entwicklungen und Menschenfeindlichkeit braucht es Orte, an denen die unveräußerliche Würde jedes Menschen geachtet wird und gesellschaftlicher Zusammenhalt wachsen kann.

Was wollen Sie bewegen? 
Ich möchte dazu beitragen, dass Kirche noch stärker als synodaler Ort des offenen Austauschs und der Beteiligung wahrgenommen wird. Ein Ort, an dem unterschiedliche Meinungen respektvoll aufeinandertreffen können und an dem kontroverse Fragen nicht ausgeblendet werden. 
Dabei ist für mich Menschenfreundlichkeit eine zentrale Grundlage, die die Haltung Jesu widerspiegelt. Jesus begegnet Menschen zuerst mit Würde, Respekt und Zuwendung. Eine synodale Kirche lernt von dieser Haltung: Sie hört zu, nimmt ernst und vertraut darauf, dass Gottes Geist auch durch die Erfahrungen und Stimmen vieler Menschen wirkt. Wenn junge Menschen erleben, dass ihre Erfahrungen und Sichtweisen ernst genommen werden, entsteht Vertrauen und die Bereitschaft, selbst Verantwortung zu übernehmen. 
  
Kirche als Arbeitgeber und als Gestaltungsraum im Landeskomitee – wo ergänzen sich diese Welten am besten? 
Im besten Fall dort, wo nicht zwei getrennte Logiken nebeneinander stehen, sondern ein gemeinsamer Gestaltungswille entsteht. Als Arbeitgeberin bietet Kirche Struktur, Ressourcen und professionelle Rahmenbedingungen. Im Landeskomitee der Katholiken in Bayern kommt die Perspektive der Mitverantwortung und strategischen Ausrichtung dazu. 
Diese beiden Welten ergänzen sich dann gut, wenn Mitarbeitende nicht nur „ausführen“, sondern auch mitdenken dürfen und wenn Gremien nicht nur beraten, sondern echte Wirkung entfalten können. 
  
Kirchliches Engagement hat Zukunft, weil … 
… die Sehnsucht nach Orientierung, Gemeinschaft und Sinn bleibt. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheit suchen Menschen nach Orten, an denen sie Vertrauen erfahren, Verantwortung übernehmen und über die großen Fragen des Lebens sprechen können. Als Christ bin ich überzeugt, dass Gott sich dort finden lässt und Hoffnung schenkt, die über Krisen hinaus trägt. 
Kirchliches Engagement hat Zukunft, wenn Kirche solche Räume glaubwürdig anbietet: offen, dialogbereit und nah an den Lebenswirklichkeiten der Menschen. Zukunft entsteht nicht durch den Erhalt von Strukturen allein, sondern dort, wo Menschen ernst genommen werden und gemeinsam nach Antworten suchen. Oder, mit den Worten von Papst Franziskus: „Er lebt und er will, dass du lebendig bist.“ 


Verfasst von:

Gemeinde Creativ

Das Redaktionsteam