Foto: SERGEY / ADOBE STOCK

Denkmäler, Vorgärten, Böden, Bäder, Babys, Tiere, Bäume, Gräber, Autos, Zierpflanzen, Manieren, Kontakte, Seilschaften, Grünflächen, das Image, Brauchtümer und Traditionen – sie lassen sich alle pflegen. Ja, richtig gelesen. Aber auch Beziehungen lassen sich pflegen.

Unsere Vorgärten, wie mit der Nagelschere getrimmt. Unsere Autos, sie blinken dank Waschstraße und Politur. Für den Bonsai hat man viele Stunden filigraner Schnittkunst aufgebracht. Die Buschbohnen und Zuchttomaten sind akkurat angebunden und frisch gegossen. Und erst der Koi-Teich und die Zuchtkaninchen. Einzig die Rassepudel sind noch nicht aus dem Hundesalon zurück. Im Haus ist der Boden frisch gereinigt, das Bad gewienert, die Küche glänzt wie neu. Das Geschirr ist abgewaschen. Sämtlicher Unrat ist aus dem Haus gebracht. Und alles ist so schön durchlüftet. Also alles in bestem Zustand. Zumindest für den Moment.

Mal kurz durchlüften. Was für einen Zustand finden wir bei uns vor? Nicht im Vorgarten. Auch nicht im Haus. Doch im Oberstübchen. Was und wie denken wir über uns? Hegen wir wohlgesinnte Gedanken über uns selbst? Pflegen wir eine gute Beziehung zu uns selbst? Im Buch der Sprüche steht im Kapitel 4 der Vers 23 – und dieser besagt, dass wir mehr als auf alles andere auf unser Herz achten, ja, es behüten sollen, weil von ihm das Leben ausgeht. Das bedeutet auch, dass wir nicht alles an uns heranlassen dürfen – auch das nicht, was wir falsch über uns denken. Hier gibt es einen besonderen Pflegenotstand. Bevor wir anfangen, uns von der Haarwurzel übers Gesicht, den Körper bis schließlich in die Fußspitzen zu pflegen, sollten wir innerlich mit uns im Reinen sein. Das Innen kommt vor dem Außen. Folglich ist es nicht der Bettvorleger, auch nicht der leidige Badezimmerboden und ebenso wenig der Haus- oder Wohnungsflur. Der Vorgarten ist es auch nicht. Allenfalls sind es die Räume in unserem Herzen, die wir freiräumen sollten von fremden Zuschreibungen, Beleidigungen, Verletzungen und Einkerbungen anderer Art. Wenn wir mit uns im Reinen sind, können wir morgens ganz anders aufstehen, da stört uns auch der Badezimmerboden nicht und wir gehen schließlich entspannt durch die Tür nach draußen, egal wie es vor unserer Haustür gerade aussieht, ganz gleich, ob ein Nachbar komisch äugt oder was er über uns denken könnte. Ob der Himmel verhangen ist oder nicht. Was allerdings noch wichtig ist zur Daseinspflege: Wie denkt Gott über uns? Ist der Himmel dahingehend für uns verhangen, sollten wir dann unsere Beziehung zu ihm anders pflegen, besser pflegen, überhaupt pflegen? Wenn wir mit Gott im Reinen sind und mit uns selbst, können wir an für sich auch mit der Welt im Reinen sein. Und die beginnt vor unserer Haustür, mehr noch, an sich schon in unseren vier Wänden.

Also betreiben wir einmal die wichtigste Pflege, die sonst vielleicht gänzlich unter den Tisch fällt. Beenden wir diese Art von Pflegenotstand in unserem Leben. Dann klappt es auch mit dem getrimmten Vorgarten. Mit den polierten Autos. Mit dem Bonsai oder mit Grüne-Daumen-Wundern anderer Natur. Mit Gemüse und Nachtschattengewächsen. Mit Fischen und Vierbeinern. Mit Boden, Bad und Backofen. Das Geschirr blinkt. Von überall funkelt es uns entgegen. Und alles ist so schön durchlüftet. Also alles in bestem Zustand. Nicht nur für den Moment.


Verfasst von:

Diana Schmid

Freie Autorin