Ausgabe: Juli-August 2026
KommentarVieles gleichzeitig
Die Pfarrgemeindewahlen sind vorbei. Neue Gesichter, neue Stimmen, neue Hoffnungen. Und ich merke: Da ist nicht nur Spannung in der Luft, sondern auch echte Sehnsucht nach Veränderung. Gerade wir jungen Menschen wünschen uns, dass Kirche ein Ort ist, an dem wir nicht nur dabei sind, sondern wirklich mitgestalten dürfen.
Wir leben in einer Zeit, die vieles gleichzeitig ist: offen und unsicher, vielfältig und manchmal auch überfordernd. Für mich bedeutet eine „offene“ Gesellschaft vor allem, dass Menschen sich gesehen fühlen. Dass ihre Stimmen zählen – unabhängig davon, ob sie jung oder alt sind, ob sie schon immer dazugehören oder neu dazukommen. Und genau das wünsche ich mir auch für unsere Pfarrgemeinden. Eine „offene” Gesellschaft ist dabei kein abstraktes Ideal, sondern eine konkrete Haltung: Sie bedeutet, Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht oder ihrem Lebensentwurf ernst zu nehmen. Sie bedeutet, zuzuhören, auch wenn Meinungen unbequem sind. Und sie bedeutet, Verantwortung zu übernehmen.
Ich habe oft erlebt, wie viel Kraft darin steckt, wenn Menschen ehrlich miteinander ins Gespräch kommen. Wenn man einander zuhört, ohne sofort zu bewerten. Aber ich habe auch erlebt, wie schnell sich Türen schließen können – aus Angst vor Veränderung oder weil „es schon immer so war“. Das kann entmutigend sein. Vor allem für junge Menschen oder Frauen, die sich einbringen wollen und manchmal das Gefühl haben, nicht wirklich gehört zu werden.
Und trotzdem glaube ich: Es lohnt sich, dranzubleiben.
Denn unsere Gemeinden können so viel sein. Orte, an denen Gemeinschaft wirklich gelebt wird. Orte, an denen man Dinge ausprobieren, Fragen stellen und auch zweifeln darf. Orte, an denen Gleichberechtigung nicht nur ein schönes Wort ist, sondern spürbar wird – in Entscheidungen, in Verantwortung, im Alltag.
Die neu gewählten Pfarrgemeinderäte haben nun die Chance, genau das mitzugestalten. Vielleicht nicht perfekt und vielleicht auch nicht ohne Widerstände, aber mit Mut. Mit der Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Und mit dem Vertrauen, dass Veränderung nichts ist, das uns unsere Wurzeln nimmt, sondern etwas, das sie lebendig hält. Sie können Brücken bauen zwischen den Generationen, zwischen Tradition und Aufbruch sowie zwischen Glauben und gelebter Wirklichkeit. Sie können den Mut aufbringen, Fragen zuzulassen, auf die es noch keine fertigen Antworten gibt. Und sie können zeigen, dass Kirche ein Ort ist, an dem Veränderung keine Bedrohung, sondern eine Chance ist.
Ich wünsche mir eine Kirche, die sich bewegt. Eine Kirche, die nicht darauf wartet, dass alles einfacher wird, sondern jetzt anfängt. Eine Kirche, die jungen Menschen zutraut, Verantwortung zu übernehmen. Und die Frauen nicht nur einlädt, sondern ihnen selbstverständlich Raum gibt.
Am Ende geht es um unser gemeinsames Miteinander. Um eine Gemeinschaft, die trägt – gerade dann, wenn es schwierig wird. Ich bin überzeugt: Wenn wir offener werden, einander mehr zutrauen und den Mut haben, auch unbequeme Themen anzusprechen, kann daraus etwas Gutes entstehen.
Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um damit anzufangen.