Ausgabe: Juli-August 2026

Meditation

miteinander statt nebeneinander

Foto: HELFERINNEN

Wenn ich alleine zu Hause bin, sperre ich gerne die Haustür ab. So fühle ich mich sicherer. Es ist ein Ausdruck von Ängstlichkeit. Auch ganze Gruppen können sich aus Angst einsperren. So machten es die Jünger Jesu nach dessen Tod. Aus Furcht, so schreibt der Evangelist Johannes, hatten sie die Türen fest verschlossen. Doch diese Türen waren für den auferstandenen Herrn kein Hindernis. Er spricht das Schlüssel-Wort „Friede sei mit euch!“ (Joh 20,19). Diese Worte öffnen die verängstigten Herzen der Jünger. Das war ein erster wichtiger Schritt, um dem Leben neu zu vertrauen. Der zweite wichtige Schritt wird in der Apostelgeschichte erzählt (Kapitel 2). Die Jünger sind zusammen mit Maria versammelt, als „plötzlich vom Himmel her ein Brausen kommt, und es erscheinen Zungen wie von Feuer“. Dieses Bild drückt aus, wie viel Kraft und Mut nun die Jünger durch den Heiligen Geist bekommen. Es ist der Zeitpunkt, in der die kleine, erste, sich auf Christus berufene Gemeinschaft, aber in sich verschlossene Gesellschaft, zu einer offenen Gesellschaft wird. Offen, um hinauszugehen und das Evangelium zu verkünden. Die Leute wundern sich und die Jünger wohl auch, dass sie fähig sind in ganz unterschiedlichen Sprachen zu sprechen.

Heute ist manchen Menschen die Gesellschaft „zu offen“. Es gibt Unsicherheit und Angst beispielsweise vor dem Fremden. Oder auch, dass so manches Vertraute nicht mehr so ist, wie es „immer war“. Jetzt scheint alles möglich zu sein. Das kann verunsichern. Das führt zur Gegenbewegung, sich zurückzuziehen, die Türen zu schließen und lieber unter sich zu bleiben. Doch macht das das Herz nicht auch eng? Auch wir dürfen uns das Wort „Friede sei mit euch!“ zusagen lassen: Öffnet eure Türen, damit Fremdes vertraut wird! Aus Unsicherheit und Ängstlichkeit leben wir oftmals mehr nebeneinander her als miteinander. Es lohnt sich, den „anderen“ neu und offen zu begegnen. Den verschiedenen Gruppen in der eigenen Gemeinde. Den „anderen“ Pfarrgemeinden im Pfarrverband; oder den ausländischen Gemeinden. Es gibt viele Kulturen, die mir unbekannt und daher fremd sind. Doch wenn ich den Mut habe, aus mir herauszugehen, wird die Begegnung zu einer Bereicherung.


Verfasst von:

Sr. Stefanie Strobel sa

Geistliche Direktorin am Institut für publizistische Ausbildung (ifp) in München