Ausgabe: Juli-August 2026
InformationenAkademie CPH verleiht Pirckheimer-Preise
"Wir benötigen gute Geschichten"
Von Susanne Kaiser, Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
der Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus
Am 21. März 2026 feierte das Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH) Nürnberg mit dem Pirckheimer-Tag den 559. Geburtstag seiner Namenspatronin. Motto des Tages war „Gute Geschichten“. Auf einen Gottesdienst folgte der Festakt, bei dem drei lokale Institutionen gewürdigt wurden. Sie alle stehen auf ihre Weise für gute Geschichten: Das Sozialmagazin Straßenkreuzer, Medien PRAXIS e.V. und die Paulus‑Schwestern in Nürnberg. Thomas Ohlwerter, Schulreferatsleiter der Katholischen Stadtkirche Nürnberg, erhielt das Dankeszeichen der Akademie.
Im Vespergottesdienst in St. Klara nahm der Bamberger Generalvikar Georg Kestel das Motto des Tages auf: „Gute Geschichten! – Die Sehnsucht danach ist noch viel größer als die Erfahrung der vielen schlechten Nachrichten, die uns täglich erreichen. Gute Geschichten haben wir so nötig wie nie zuvor. Nicht als Beschönigung oder Verdrängung des Negativen, sondern als Hinweise auf das Andere, das Gute, das Mögliche, das Alternative, das es immer auch noch gibt.“ Er schloss mit einer hoffnungsvollen Aussicht: „Die guten Geschichten tragen wir in uns und sie geben uns Mut. Die guten Geschichten gehen uns voraus und warten darauf, sie zu erzählen und zu bewahrheiten.“
Bei der Begrüßung der etwa 200 Gäste im Caritas-Pirckheimer-Haus betonte auch Hausherr Siegfried Grillmeyer: „Wir benötigen gute Geschichten. Gegen die bedrückenden Nachrichten, gegen das Negative. Positive Geschichten stärken unsere Gesellschaft.“ Unter diesem Leitgedanken erfolgte die Verleihung der Pirckheimer‑Preise an drei regionale Initiativen, die alle unter großem Einsatz gute Geschichten verbreiten.
Sozialmagazin „Strassenkreuzer“ – Stimme für Teilhabe
Seit über 30 Jahren gibt das Sozialmagazin Straßenkreuzer Menschen in Not eine Stimme und thematisiert soziale Ausgrenzung, Armut und Diskriminierung – mit großem Respekt und auf Augenhöhe. Die Menschen am Rand der Gesellschaft durch starke, hochwertige journalistische Geschichten sichtbar machen – das ist das Ziel des Redaktionsteams. Dieses „unermüdliche Engagement des Straßenkreuzer‑Teams für die Teilhabe von Menschen am Rande der Gesellschaft und das Schreiben ‚guter Geschichten‘ verdient in hohem Maße Anerkennung“, so Diana Löffler und Martin Stammler vom CPH in ihrer Laudatio.
Seit der ersten Ausgabe Ende1994 ist das Projekt „Straßenkreuzer“ zum festen Bestandteil der Nürnberger Stadtgesellschaft geworden.“ Eine wahrhaft gute Geschichte!
Medien Praxis E.V. – Zeit für Menschen und Perspektiven
Der Medien PRAXIS e.V. erstellt Filmdokumentationen über soziale, kulturelle und ökologische Themen in der Region Nürnberg. Sie sind regelmäßig als „point Reportage“ in einem Lokalsender zu sehen.
„Die Arbeit von Medien PRAXIS erinnert uns daran, was guter Journalismus leisten kann: Menschen sichtbar machen, Missstände benennen und neue Perspektiven eröffnen,“ erläuterte Marica Münch (CPH) bei der Preisübergabe. Das Filmteam freute sich, dass „30 Jahre unabhängiger nichtkommerzieller Journalismus gesehen und gewürdigt werden.“ Der Preis bestätige, „dass es sich lohnt, mit hohem ehrenamtlichen Einsatz und manchmal sehr langem Atem Reportagen, Dokumentationen und Portraits zu produzieren, die sich die Zeit nehmen, Menschen und ihre Geschichten nachvollziehbar zu machen.“
Paulus-Schwestern Nürnberg – Evangelium als gute Geschichte
Die Paulus‑Schwestern verbreiten das Evangelium mit modernen Medien und betreiben die Paulus‑Buchhandlung in Nürnberg. In der Laudatio von Claudio Ettl (CPH) hieß es: „Gute Geschichten – dieser Begriff ist die wörtliche Übersetzung des griechischen Wortes ‚Evangelium‘. Durch ihr unermüdliches und selbstloses Wirken tragen die Paulus-Schwestern dazu bei, die gute Geschichte und die guten Geschichten des Evangeliums weiterzugeben. … Sie erzählen gute Geschichten – und sind selbst eine gute Geschichte.“ Die Freude war den Schwestern anzusehen, auch wenn Sr. Christine Hirsch bescheiden sagte: „Gute Geschichten von Gott den Menschen zu erzählen, das ist unsere Mission. Wir erzählen sie für alle Menschen und mit allen Medien.“
Dankeszeichen für Thomas Ohlwerter
Das Dankeszeichen der Akademie ehrte Thomas Ohlwerter, Leiter des Schulreferats der Katholischen Stadtkirche Nürnberg, für sein Engagement in Religionspädagogik, interreligiösem Dialog und für Projekte wie den Etz‑Chaim‑Schulpokal. Siegfried Grillmeyer betonte: „Wer mit Thomas Ohlwerter arbeitet, erlebt einen Menschen, der fachliche Expertise mit Herzlichkeit verbindet. … Deshalb verleihen wir ihm heute das Dankeszeichen der Akademie CPH.“ Ohlwerter, begleitet von seinen Enkelkindern, betonte, wie sehr ihm Kinder und Jugendliche Motivation für seine Arbeit seien.
Gemeinsam gute Geschichten schaffen
Der Pirckheimer-Tag – ein Tag voller guter, ermutigender Geschichten und inspirierender Menschen – klang mit geselligem Beisammensein der Gäste und Preistragenden aus. Am Ende blieb das ermutigende Gefühl, dass unsere Gesellschaft gemeinsam weiterhin viele gute Geschichten erschaffen und auch umsetzen kann.
Ansprechpartnerin Presse:
Susanne Kaiser
Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus gGmbH
E-Mail: kaiser@cph-nuernberg.de
Tel. 0911 / 23 46-127
www.cph-nuernberg.de
www.facebook.com/akademiecph
www.instagram.com/cph_nuernberg/
www.youtube.com/cphnuernberg
Digitale Gewalt - akut handeln
Ehrenamtliches Engagement im Netz schützen
Von Franziska Benning, Head of Legal and Policy HateAid
Kommunalpolitisch und ehrenamtlich Engagierte sind zunehmend von digitaler Gewalt betroffen. Studien zeigen: 38 Prozent der Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker haben Erfahrungen mit verbalen und digitalen Anfeindungen gemacht. Neun Prozent der Amtsträgerinnen und Amtsträgern haben in Reaktion auf die erlebte Anfeindung konkret darüber nachgedacht, ihr Amt beziehungsweise Mandat niederzulegen. Zehn Prozent erwägen einen Rückzug aus dem Amt, indem sie nicht erneut kandidieren werden. Digitale Gewalt ist kein Einzelschicksal, sondern ein strukturelles Problem, das die Demokratie bedroht. Doch es gibt Wege, sich zu schützen und zu wehren.
Erscheinungsformen und Folgen
Digitale Gewalt reicht von Beleidigungen, Bedrohungen bis hin zu organisierten Hasskampagnen und Gewaltaufrufen, der Veröffentlichung privater Informationen wie zum Beispiel der Privatanschrift oder der Verbreitung gefälschter Bilder. Sie wird gezielt eingesetzt, um Menschen einzuschüchtern und aus dem öffentlichen Diskurs zu drängen – ein Phänomen, das als Silencing bekannt ist. Die Strategie ist klar: Einzelne werden herausgegriffen und mit besonders persönlichen Angriffen eingeschüchtert. Letztlich geht es dabei jedoch nicht um sie, sondern darum, wofür sie stehen. Etwa für eine Partei, Engagement im sozialen Bereich oder staatliche Einrichtungen. An ihnen soll ein Exempel statuiert werden, um allen anderen zu zeigen: Das kann dir auch passieren, wenn du dich engagierst. Sie sollen verdrängt werden, damit diejenigen freie Bahn haben, die die Demokratie abschaffen wollen.
Auch wenn der Hass jeden treffen kann, gibt es Menschen, die häufiger und anders im Netz angefeindet werden. Personen werden aufgrund ihres Namens, ihres Aussehens, ihrer Religion, ihres Geschlechts oder ihrer Sexualität angegriffen. Betroffene sind teilweise einer enormen psychischen Belastung ausgesetzt, die sich in Form von Ängsten, sozialer Isolation, depressiven Stimmungen und Suizidgedanken äußern kann. Darüber hinaus kostet der Umgang mit digitaler Gewalt Ressourcen, die vor allem in der Kommunalpolitik knapp sind, es müssen Beweise gesichert und Gefährdungslagen beurteilt werden.
Prävention
Digitale Gewalt kann alle Menschen treffen. Umso wichtiger ist Vorsorge, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. Mit ein paar einfachen Maßnahmen kann digitale Gewalt zwar nicht verhindert, die persönlichen Auswirkungen jedoch verringert werden. So können diejenigen, die angegriffen werden, im besten Fall online bleiben, anstatt sich zurückzuziehen.
Sichere Zugänge: Lange, komplexe Passwörter und Zwei-Faktor-Authentifizierung schützen Accounts. Passwortmanager helfen bei der Verwaltung.
Netiquette: Klare Regeln für den Umgang auf eigenen Profilen schaffen Orientierung und erleichtern konsequentes Handeln bei Verstößen.
Netzwerke: Ein solidarisches Umfeld stärkt. Kolleginnen und Kollegen können sich beispielsweise in einer Chatgruppe schnell abstimmen und dann öffentlich unterstützen.
Krisenplan: Vorab Zuständigkeiten klären und Abläufe festlegen, um im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben.
Akut handeln
Wenn Vorfälle digitaler Gewalt passieren, sollten diese nicht ignoriert werden. Schwere Fälle sollten zur Anzeige gebracht werden, um Strafverfolgung zu ermöglichen und dafür zu sorgen, dass die Fälle in die Statistik eingehen. Auch die Entfernung von öffentlich einsehbaren Inhalten sollte erwogen werden, um ihre Verbreitung einzudämmen. Denn leider ist es in sozialen Netzwerken nach wie vor so, dass vor allem gewaltvolle Inhalte die größte Reichweite erzielen und so mehr und mehr normalisiert werden.
Beweise sichern: Screenshots sollten Inhalt, Kontext, Datum, Uhrzeit, Verfasserin oder Verfasser und URL zeigen. Dabei können Tools wie „Atomshot“ helfen.
Melden und löschen: Hasskommentare können gemeldet und – auf eigenen Profilen – eigenständig entfernt werden. Wichtig: erst dokumentieren, dann löschen oder melden. Plattformen sind verpflichtet, Inhalte nach Meldung zu prüfen und rechtswidrige Inhalte zu entfernen.
Anzeige erstatten: Viele Formen von digitaler Gewalt sind strafbar (z. B. Beleidigung, Bedrohung, Volksverhetzung). Anzeigen wirken abschreckend und machen das Ausmaß in Kriminalstatistiken erst sichtbar.
Psychische Gesundheit schützen: Digitale Gewalt belastet stark und ist psychische Gewalt. Wichtig ist es für Betroffene, sich folgende Fragen zu stellen: Was macht die Situation mit mir? Was brauche ich jetzt? Was gibt mir Sicherheit? Unterstützung durch das persönliche Umfeld oder Beratungsstellen kann entlasten.
Digitale Gewalt ist eine reale Bedrohung. Doch durch Prävention, schnelles Handeln und starke Netzwerke lässt sich ihr begegnen. Wichtig ist: Betroffene sind nicht allein.
Ein ausführlicher Leitfaden für alle Engagierten findet sich auf der Website von HateAid: Publikationen — HateAid
„Hass, Gewalt & Lügen im Netz sind nicht Teil des Jobs – ein Leitfaden zum Umgang mit digitaler Gewalt“
Zum Weiterlesen:
DStGB (2023): Positionspapier „Hass, Bedrohungen & Gewalt“. URL: https://www.dstgb.de/ publikationen/positionspapiere/hass-bedrohungen-und-gewalt-gegen-kommunalpolitiker-in nen/240123-update-hassbedrohungengewalt.pdf?cid=yfp
Vgl. Kommunales-Monitoring-Bericht-Herbstbefragung-2022 (2023). URL: Kommunales-Monitoring-Bericht-Herbstbefragung-2022.pdf
Gottes erstaunliche Häuser
Das Buch Gottes erstaunliche Häuser von Stefan Weigand und Johanna Beck stellt 33 Kirchen und Kapellen in Deutschland vor, die durch ihre Architektur und Geschichte eine besondere spirituelle Relevanz besitzen. Die Auswahl umfasst sakrale Orte, die jenseits aktueller Kirchendebatten als Kraftquellen und Räume der Stille fungieren. Die Autoren legen den Fokus auf die Verbindung von Raumwirkung und Glaubenserfahrung, wobei sie sowohl bekannte Meisterwerke als auch weniger beachtete Kapellen porträtieren.
Das Werk dient als Reiseführer zu Orten, die zur persönlichen Einkehr und zur Entdeckung einer vielfältigen Sakrallandschaft einladen. Es richtet sich an Menschen, die Inspiration in der Architektur suchen und den Glauben über die Sinne neu erschließen möchten. Die Porträts betonen die Beständigkeit dieser Häuser als Orte der Begegnung mit dem Heiligen in einer sich wandelnden Zeit. (bra)
Beck, Johanna; Weigand, Stefan (2026): Gottes erstaunliche Häuser. 33 Kirchen, die man gesehen haben muss, um den Glauben neu zu entdecken. 176 Seiten, Hardcover, Kösel, 22,00 EUR.
Synodalität vor Ort leben
„Der Weg der Synodalität ist das, was Gott sich von der Kirche des dritten Jahrtausends erwartet“, sagte Papst Franziskus im Rahmen der Weltsynode. Um dieses Miteinander auf allen Ebenen der Kirche einzuüben, ist im Bistum Eichstätt ein spiritueller Wegbegleiter für Gruppen und Gremien entstanden. Unter dem Motto Synodalität vor Ort leben ermöglicht die Broschüre engagierten Menschen, sich mit den Aspekten einer synodalen Haltung zu befassen und Gespräche anzuleiten.
Wer tiefer einsteigen möchte, findet in einem ergänzenden Online-Begleitheft weiterführende Texte, Bibelstellen, Gebete und Impulse. Thomas Stübinger, Beauftragter für Synodalität im Bistum Eichstätt, sieht darin eine große Chance: „In Bayern haben sich gerade die Pfarrgemeinderäte neu konstituiert. Vielleicht kann dieser spirituelle Wegbegleiter gute Vorzeichen für ein harmonisches Miteinander in diesen Gremien bieten“. Der Spirituelle Wegbegleiter und das Begleitheft sind online auf den Seiten des Bistums Eichstätt abrufbar. (sb)
Der „Spirituelle Wegbegleiter“ und das „Begleitheft“ sind zu finden unter
https://www.bistum-eichstaett.de/wir-sind/synodalitaet/#c17472.
Die Kirche und ihre Ämter neu denken
Die anhaltende Strukturkrise der Kirche und der spürbare Rückgang sowohl von finanziellen Mitteln als auch von engagierten Kräften verlangen nach grundlegenden Reformen. Doch wie kann die christliche Botschaft in unserer Gesellschaft wieder an Glaubwürdigkeit und Relevanz gewinnen? Der Theologe Richard Hartmann zeigt in seinem aktuellen „Zwischenruf“, dass ein echter Wandel nur gelingen kann, wenn wir einen radikalen Perspektivenwechsel vollziehen: Weg von einer Kirche, die rein von den bestehenden Ämtern her gedacht wird – und hin zu Strukturen, die sich konsequent am eigentlichen Auftrag der Kirche und dem Miteinander aller Christinnen und Christen orientieren.
Der Autor belässt es nicht bei theoretischer Kritik. Er analysiert die bestehenden Machtstrukturen und hinterfragt das herrschende Verständnis der Weiheämter. Hartmann plädiert leidenschaftlich dafür, die pastoralen Herausforderungen der Gegenwart als Chance zu begreifen. Seine Reformvorschläge bieten Impulse und konkrete Denkanstöße für die Zukunft des ehrenamtlichen und hauptamtlichen Engagements in den Gemeinden und Verbänden. (br)
Richard Hartmann (2026): Die Kirche und ihre Ämter neu denken. Ein Zwischenruf, 120 Seiten, Paperback, Patmos Verlag, 18,00 EUR.
Die Suche nach Zusammenhalt
Die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Die Ausgabe 1/2026 der Zeitschrift OST-WEST. Europäische Perspektiven (OWEP) widmet sich dieser Spaltung in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Anhand zahlreicher Länderbeispiele zeigt das Heft, wie tief die Gräben mittlerweile reichen, beleuchtet jedoch auch Initiativen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.
Der Historiker Felix Ackermann erläutert einführend die unterschiedlichen Entwicklungen seit den Umbrüchen von 1989. Während Berichte aus Serbien und der Slowakei zeigen, wie Medien und Politik die Spaltung gezielt vorantreiben, lenken andere Beiträge den Blick auf gelingende Annäherungen. So wird das historisch stark belastete Verhältnis zwischen Sudetendeutschen und Tschechen durch beharrlichen zivilgesellschaftlichen Dialog überwunden. Aus der Ukraine wird trotz des andauernden Krieges von einem bemerkenswerten sozialen Zusammenhalt berichtet, der sich im gemeinsamen Durchhalten ausdrückt. (br)
OST-WEST. Europäische Perspektiven (Hg.): Die Suche nach Zusammenhalt in polarisierten Gesellschaften (Heft 1/2026), 84 Seiten, Einzelheft, Renovabis, Freising 2026, 7,50 EUR.