Ausgabe: Juli-August 2026

Aus dem Landeskomitee

Erleichterung, gepaart mit gesellschaftlicher Sorge

Die zwei digitalen Veranstaltungen in der Reihe „Akademiegespräch am Mittag“ war eine Kooperation von Landeskomitee und Katholischer Akademie Bayern. Foto: PRIVAT

Zwei digitale Akademiegespräche von Landeskomitee und Katholischer Akademie in Bayern zogen Bilanz nach den Wahlen im März: Zwischen Erleichterung im kirchlichen Ehrenamt und gesamtgesellschaftlicher Sorge ging es um Strategien zum Schutz demokratischer Räume. Zudem gibt es einen Wechsel in unserer Geschäftsstelle.

Nach dem Superwahlmonat im März 2026 hat das Landeskomitee der Katholiken in Bayern gemeinsam mit der Katholischen Akademie in Bayern die neuen politischen Realitäten in den frisch gewählten Gremien in den Blick genommen. Unter dem Titel „Rechtsextreme im Pfarrgemeinderat? Die Lage nach den Wahlen“ ging es um Analysen, Einordnungen und einen Ausblick auf die gerade beginnenden Amtsperioden.

„Mit Blick auf die Pfarrgemeinderatswahlen überwiegt die Erleichterung, gesamtgesellschaftlich eher die Sorge“, sagte der Vorsitzende des Landeskomitees, Christian Gärtner, eingangs der digitalen Veranstaltung. Er zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen der Pfarrgemeinderatswahlen, die am 1. März 2026 stattgefunden hatten. In allen bayerischen Diözesen sei eine Wahlbeteiligung im zweistelligen Bereich erreicht worden, bayernweit liege sie bei 14,31 Prozent. Damit sei der Anteil deutlich höher als derjenige der regelmäßigen Gottesdienstbesucherinnen und Gottesdienstbesucher. Für Christian Gärtner ein klares Zeichen dafür, dass Kirche vor Ort nach wie vor Bindungskräfte entfalten und die Menschen in den Pfarrgemeinden erreichen könne. Inwiefern sich das Erstarken populistischer und rechtsextremer Strömungen der vergangenen Jahre auch bei den Pfarrgemeinderatswahlen niederschlagen würde, habe die Mitglieder des Landeskomitees, insbesondere die bayerischen Diözesanräte, im Vorfeld der diesjährigen Wahlen stark umgetrieben. So seien in einigen Diözesen Satzungen und Wahlordnungen entsprechend angepasst worden. Zu den Materialien der PGR-Wahl-Kampagne gehörte erstmals auch eine Handreichung zum Umgang mit Rechtsextremismus und Populismus, die einen Handlungsleitfaden bietet und weitere Beratungsangebote sowie Anlaufstellen auflistet.

Strategien zum Umgang mit Rechtsextremismus

Jan Riebe leitet das Kompetenzzentrum Rechtsextremismus und Demokratieschutz bei der Amadeu Antonio Stiftung in Berlin und ist Experte für Extremismusprävention. In seinem Impuls stellte er bewährte und erprobte Strategien zum Umgang mit Rechtsextremen in Parlamenten vor und zeigte auf, was davon für kirchliche Gremien wie den Pfarrgemeinderat adaptierbar ist. Denn – und auch das hatte der Vorsitzende des Landeskomitees herausgestellt – auch wenn die Fallzahlen im Kontext der Wahlen gering waren, so könne sich doch auch erst in nächster Zeit, wenn sich die neuen Pfarrgemeinderäte konstituieren, herausstellen, dass Menschen mit rechtsextremer Gesinnung im Gremium sitzen.

Jan Riebe machte deutlich, dass es nicht DIE eine richtige Verfahrensweise und auch keinen Königsweg gebe. Wichtig sei es, klare rote Linien zu benennen und für das eigene Gremium Mindeststandards und Minimalkonsense festzulegen, von denen auch nicht abgewichen werden dürfe. Zudem solle stets aus der eigenen Position heraus argumentiert werden, im Pfarrgemeinderat auf Basis des christlichen Blickes auf die Menschen. Kontraproduktiv sei es dagegen, Rechtsextremen und ihren Äußerungen zu viel Raum und Bühne zu geben, man solle sich nicht an ihnen „abarbeiten“ und stattdessen Kontrapunkte mit eigenen Sachthemen setzen und ein eigenes Gesellschaftsbild dem ihren gegenüberstellen.

In der anschließenden Diskussion wurde eine Sorge deutlich artikuliert: die Brandmauer bröckelt, im Kleinen wie im Großen. Die roten Linien werden undeutlich, Grenzen verschwimmen. Und dann stellt sich die Frage: Welche Kraft kann Kirche (noch) entfalten, welchen Beitrag leisten für eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft und als Gegenargument zu Menschenfeindlichkeit, Hass und Radikalismus?

Haltung zeigen, Räume schützen: Demokratie vor Ort stärken

Der Ton im öffentlichen Diskurs wird rauer – ein Phänomen, das längst auch die kommunalen und kirchlichen Gremien erreicht hat. Mandatsträger und Ehrenamtliche sehen sich vermehrt Anfeindungen gegenüber, die das ehrenamtliche Engagement und damit die Basis unserer demokratischen Kultur gefährden. Um Strategien gegen diese Entwicklung zu diskutieren, lud die Katholische Akademie in Bayern am 20. Mai 2026 in Kooperation mit dem Landeskomitee der Katholiken in Bayern erneut zum Akademiegespräch unter dem Titel „Haltung zeigen, Räume schützen“ ein.

Florian Hölzl, Erster Bürgermeister der Marktgemeinde Pfeffenhausen, betonte in seinem Impuls die Kraft der „radikalen Transparenz“. Hölzel, der für sein zivilgesellschaftliches Engagement 2023 mit dem Toleranzpreis des Bayerischen Bündnisses für Toleranz ausgezeichnet wurde, sieht in ehrlicher Kommunikation das wichtigste Mittel, um Spekulationsräumen vorzubeugen. Politik müsse „beim Konkreten“ bleiben: Die Pflege lokaler Strukturen und das Kümmern um alltägliche Anliegen seien essenziell, um den Zusammenhalt in der Gemeinschaft zu festigen. Die kommunale Selbstverwaltung biete hierfür den notwendigen Gestaltungsspielraum, den es aktiv zu nutzen gelte.

David Beck, Beauftragter der bayerischen Justiz zur strafrechtlichen Bekämpfung von Hate Speech, zog die notwendigen rechtlichen Grenzen (vgl. S. 12/13). Er stellte klar, dass der Staat nicht den Diskurs, sondern nur strafbare Delikte wie Volksverhetzung oder Bedrohung verfolgt. Beck warnte eindringlich vor dem „Silencing-Effekt“, bei dem sich Engagierte aus Sorge um Sicherheit und Privatsphäre aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Er ermutigte dazu, das Internet nicht als rechtsfreien Raum zu akzeptieren: Die Aufklärungsquote bei Straftaten sei hoch, und Betroffene sollten Vorfälle konsequent zur Anzeige bringen.

Aus der Perspektive der kirchlichen Gremien zeigte sich die Bedeutung der „geistig-moralischen Vorbereitung“: Wer sich im Vorfeld auf kritische Situationen einstellt und seine eigenen Werte definiert, agiert in der hitzigen Debatte souveräner. Hauptamtliche, wie Bürgermeister oder Pfarrer, tragen hierbei eine besondere Verantwortung als Mentoren für Ehrenamtliche.

Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass der Schlüssel zur Resilienz in der analogen Begegnung liegt. Während digitale Räume oft zur Polarisierung genutzt werden, stiftet das gemeinsame Wirken vor Ort – etwa durch die Zusammenarbeit von Vereinen und Pfarreien – einen „Common Sense“.

Das Akademiegespräch bot somit eine fundierte Orientierung: Haltung zeigen, transparent kommunizieren und sich auf den Zusammenhalt in der Gemeinschaft verlassen. Wer sich für das Gemeinwohl einsetzt, steht nicht allein – weder politisch noch rechtlich.

Aus der Geschäftsstelle:

Wir möchten unsere neue Kollegin, Dr. Anja Tiedtke, vorstellen. Sie hat zum 1. Mai 2026 ihre Tätigkeit in der Geschäftsstelle des Landeskomitees aufgenommen. In Zukunft wird sie vorwiegend für die organisatorischen Belange der Zeitschrift „Gemeinde creativ“ zuständig sein, wird uns aber auch in den Bereichen Medien- und Öffentlichkeitsarbeit und bei allgemeinen Aufgaben unterstützen.

Wir freuen uns, mit Dr. Anja Tiedtke eine engagierte neue Mitarbeiterin für das Landeskomitee gewonnen zu haben und wünschen ihr für den Start und die Einarbeitung alles Gute!

Monika Thurnhuber ist nach 18 Dienstjahren in den wohlverdienten Ruhestand getreten.

Grüß Gott,

ich freue mich sehr, dass ich im Team der Geschäftsstelle mitwirken kann und mich kurz als neue Mitarbeiterin vorstellen darf. Nach einer Banklehre absolvierte ich ein Studium des Lehramts an Grundschulen und der Schulpsychologie. Anschließend folgte eine Promotion in Bildungswissenschaften mit der Dissertation „Vampire in Kinder- und Jugendmedien“. Berufliche Erfahrungen sammelte ich als Projektkoordinatorin, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Referentin. Mein langjähriges, ehrenamtliches Engagement reicht von Betreuerin über Schülerlotsin und Elternbeirätin bis hin zur Schriftführerin beim Bürgerverein Gräfelfing Lochham (BVGL e.V.), bei dem ich viele Jahre kommunalpolitisch aktiv bin, damit mein Heimat- und Wohnort auch weiterhin für alle Menschen und Generationen lebenswert bleibt. Privat bin ich verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder.

Beste Grüße

Dr. Anja Tiedtke


Verfasst von:

Alexandra Hofstätter und Hannes Bräutigam

Landeskomitee der Katholiken in Bayern