Ausgabe: Mai-Juni 2026
SchwerpunktMit der Ausdauer eines Langstreckenläufers
Öffentlichkeitsarbeit vor Ort
Öffentlichkeitsarbeit in den Pfarrgemeinden und Pfarreiengemeinschaften zu machen bedeutet, Kontakte zu knüpfen und Beziehungen zu pflegen, sowie bewährte und neue Wege zu nutzen, um durch Medien mit den Menschen in Kontakt zu bleiben.
Gottes gute Nachricht verständlich und einladend zu verkünden, die Lebensthemen der Menschen aufzugreifen und mit ihnen gemeinsam Sinn und Orientierung zu entdecken – das ist die Aufgabe, die sich gerade auch viele Pfarrgemeinderatsmitglieder stellen. Jede und jeder kann hier seinen Teil beitragen.
Die Zeiten sind schwerer und unübersichtlicher geworden. Kirche verliert an Ansehen. Ungelöste Fragen der Weltkirche und der Kirche in Deutschland bewegen die Menschen. Umso bedeutender ist das Engagement in den Pfarreien, denn hier ist der wesentliche Schnittpunkt, wo Menschen vom Glauben erfahren und Glaubenserfahrungen machen. Die nachfolgenden Tipps wollen dazu ermutigen und unterstützen:
Der Pfarrgemeinderat als öffentliches Gremium
Jetzt nach der Neuwahl und Konstituierung heißt es in Sachen Öffentlichkeitsarbeit: Dranbleiben! Der Pfarrgemeinderat ist ein öffentliches Gremium. Seine Sitzungen sind nicht geheim. Und: Sie dürfen auch nicht geheim bleiben! Wird über sie berichtet, dann wächst der Kontakt der Mitglieder zur Gemeinde und der Kontakt der Gemeinde zu den Mitgliedern. Gerade in den Zeiten des Umbruchs, des Neuanfangs auf der Ebene von neuen pastoralen Zuständigkeiten kommt der Öffentlichkeitsarbeit eine unverzichtbare Stellung zu.
Die Kontakte der Katholiken zu ihrer Kirche differenzieren sich seit Jahren aus. Weniger als 10 von 100 Katholiken gehen regelmäßig zu den Gottesdiensten und Veranstaltungen. Die restlichen 90 kommen zu besonderen Gelegenheiten oder Gottesdiensten, Anlässen wie Eheschließung, Tod eines Verwandten oder eines Konzertes oder eines Kuraufenthaltes gelegentlich in Kontakt mit ihrer Kirche. Viele der 90 zahlen zum Teil „einfach“ ihre Kirchensteuer und spenden zum Teil auch für lokale Projekte. Auch für und von diesen 90 ist der Pfarrgemeinderat gewählt.
Viele verwechseln Öffentlichkeitsarbeit mit Selbstbeweihräucherung. Das geht schief. Ein markantes Wort sagt: „Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.“ Konkret übersetzt heißt das: Welche Themen aus unserer Arbeit sind für die Menschen zu 100 Prozent interessant? Diese bringen wir kompakt in einen Presseartikel, den Pfarrbrief, auf die Homepage. Aktuelle Themen und Aktionen können ebenso über soziale Netzwerke eingebracht werden. Hier können sich neue und weitere Kontaktmöglichkeiten erschließen. Was für die Menschen Bedeutung hat, sie bewegt und beschäftigt, kommt an und zählt. Die Frage Jesu an die Menschen: „Was willst du, dass ich dir tue?“ ist auch für die Öffentlichkeitsarbeit eine Schlüsselfrage.
Beziehungsarbeit und Medienpräsenz
Es geht zuerst und letztlich immer um Beziehungsaufbau, Beziehungspflege und persönliche Kommunikation: „Was zählt in der Gemeinde sind Gesichter.“ In Pfarrei und Pfarreiengemeinschaft prägen Persönlichkeiten und Überzeugungen:
„Wie können wir unserer Pfarrei ein Gesicht geben?“
„Wie können wir in Kontakt mit möglichst vielen Menschen auf verschiedene Weise kommen und diesen Kontakt halten und pflegen?“
Dazu braucht es persönliche Kommunikation, Gespräche, Begegnungen und Veranstaltungen, Gottesdienste und Aktionen. Und ebenso: Kooperationen mit den örtlichen Vereinen. Das persönliche Auftreten, der Umgangsstil, die Arbeitsmethoden, die Präsentation von Inhalten und die Sitzungskultur sind ein paar Stichworte, aus denen sich zum Beispiel das Gesamtbild des Pfarrgemeinderates zusammensetzt. Wie jemand von und über den Pfarrgemeinderat spricht, hängt von allen Mitgliedern ab. Auch beim Sonntagnachmittagskaffee mit den Verwandten und Freunden geschieht Öffentlichkeitsarbeit, wenn Themen aus der Sitzung nach- und vorbesprochen werden. Je bunter die Zusammensetzung des Pfarrgemeinderates ist, desto größer die Chance, die bunte Vielfalt der Menschen heute zu erreichen und Beziehungen zu knüpfen.
Wer einmal den Veranstaltungskalender in der Lokalzeitung anschaut, stellt fest, dass inzwischen eine Vielzahl von Möglichkeiten, beispielsweise den Sonntag zu gestalten, miteinander konkurrieren. Kirche muss sich durch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit in diesem Umfeld platzieren und eine dauerhafte und vielfältige Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Presse, Pfarrbrief, Plakat, Homepage, Handzettel, Social-Media-Kanäle und persönliche Werbung sind einige Bausteine, mit denen Kirche sich in der Öffentlichkeit platzieren kann. Wer in den Medien nicht präsent ist, existiert für viele Menschen in einer Mediengesellschaft nicht.
Wenn Menschen, die hauptamtlich oder ehrenamtlich in der Pfarrei mitarbeiten, einmal ihre eigenen Blickachsen verschieben und sich fragen: „Was bekäme ich von unserer Pfarrei mit, wenn ich nicht im Pfarrgemeinderat wäre?“, „Wie würde ich diesen Artikel lesen, wenn ich schon einige Jahre lang keinen Gottesdienst mehr besucht hätte?“ „Wie würde ich diese Einladung zur Firmvorbereitung als junger Mensch wahrnehmen, dessen Eltern bewusst keinen Kontakt zur Kirche pflegen?“ „Was würde mich überhaupt von der Kirche interessieren zu erfahren?“ Dann ergeben sich plötzlich ganz neue Perspektiven.
Jesus als Maßstab gelingender Kommunikation
Wichtig finde ich, diese Perspektiven und die Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit mit dem Leben und Wirken Jesu zu verknüpfen. Jesus wird einmal „Meister der Kommunikation“ genannt, weil er den Menschen auf Augenhöhe begegnet, sich für die Menschen interessiert und aus ihrem Lebens- und Erfahrungshorizont heraus die Botschaft vom Reich Gottes verkündet.
Auf Augenhöhe. In alltagstauglicher Sprache. Mit Interesse für die Lebenswelt seiner Mitmenschen. Authentisch. Angemessen. – Diese Stichworte fassen für mich zusammen, was die Pastoralinstruktion Communio et Progressio nach dem II. Vatikanischen Konzil zu Jesus als Meister der Kommunikation formuliert hat. Jesus selbst steht in seiner Art und Weise zu reden und zu handeln als maßgebend für die Kommunikation der Kirche. Bei ihm bildet oft die Lebenssituation die Brücke zum Anderen, zum Gespräch, zur Begegnung. Ein Beispiel unter vielen ist die Heilung des Blinden, die bei Markus im 10. Kapitel berichtet wird. Jesus heilt nicht einfach seine Blindheit, die ja offensichtlich ist. Jesus fragt: „Was soll ich dir tun?“ Er geht auf Augenhöhe mit ihm. Er will es von ihm wissen und hören: „Ich möchte wieder sehen können.“ Fragen stellen. Zuhören. Blickkontakt zum anderen suchen. Dem anderen zeigen, dass er angesehen und geschätzt ist, mit seiner unverwechselbaren und einzigartigen Lebensgeschichte. Das und mehr können wir für die Kommunikation heute bei Jesus lernen. Reflektieren Sie doch selbst einmal, welche Personen Sie überzeugt und mit Jesu Botschaft in Berührung gebracht haben. Jesu Botschaft ist eine Beziehungsgeschichte.
An ihm gilt es, Maß zu nehmen, und „meisterhaft“ Kommunikation zu betreiben, die Vertrauen signalisiert und aufbaut. Vertrauen zu den Menschen und zu den Medienpartnern. Und dies mit der Ausdauer eines Langstreckenläufers.
Nutzen Sie die Chancen und bleiben Sie dran, mit den Menschen auf Augenhöhe und in Vielfalt in Kontakt zu bleiben.
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Verfasst von:
Johannes Simon
Bis 2025 Leiter des Pfarrbriefservice und der Kommunikation im Bistum Würzburg