Ausgabe: Mai-Juni 2026

Kommentar

Lebendige Orte des Glaubens

Foto: privat

Die Pfarrgemeinderatswahlen sind – gemeinsam mit den Wahlen zur Kirchenverwaltung – das stärkste demokratische Element in unserer Kirche, wenn es um Partizipation und Mitgestaltung an der Basis geht. Die Ergebnisse der diesjährigen PGR-Wahlen in Bayern sind ein starkes Zeichen – dafür, dass Kirche vor Ort immer noch viele Menschen bewegt.

Ein herzliches Vergelt’s Gott geht an die Kandidatinnen und Kandidaten, die diese Wahl überhaupt erst möglich machen. Und es tut gut zu sehen, dass in allen bayerischen Diözesen wieder viele tausend Menschen von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht haben. Darin liegt eine große Anerkennung für jene Frauen und Männer, die sich zur Wahl gestellt haben.

Pfarrgemeinderäte sind Orte, an denen heute mehr denn je Menschen mit unterschiedlichen Charismen und Interessen gefragt sind. Sie sind kein Einheitsbrei, drehen sich nicht immer nur um dieselben Fragen. Soziales, Bildungsangebote vor Ort, Hilfe für Geflüchtete, Seniorennachmittage und Kinderbibeltage, die Frage, wie es mit der eigenen Pfarrei weitergeht, wie man im Verbund mit den Nachbarpfarreien vorankommt und natürlich auch die ganz praktischen Dinge vom Pfarrfest bis zum liturgischen Jahreskalender – das alles kann in die Zuständigkeit des Pfarrgemeinderates fallen und bietet damit vielen Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen die Möglichkeit, anzudocken und sich einzubringen.

In den nächsten Wochen werden sich die neu gewählten Pfarrgemeinderäte konstituieren – eine Mischung aus altbekannten und neuen Stimmen, aus Erfahrung und frischen Ideen. So wichtig Erfahrung und Beständigkeit sind, so wichtig ist es auch, Neues zuzulassen und vielleicht unkonventionelle Ideen zu hören und in Betracht zu ziehen. Sich von Althergebrachtem zu trennen, ist oft schwer, es erfordert Mut, aber es ist notwendig. Denn Dinge, die lange getragen haben, tragen in einer sich verändernden Welt vielleicht nicht mehr. Ein „Weiter wie bisher“, ohne Rücksicht auf neue Bedürfnisse der Menschen, ist stets die schlechtere Lösung. Pfarrgemeinderäte sind ganz klar ein Teil des gesellschaftlichen Geflechts – und wenn dieses sich wandelt, dann müssen sie es auch tun.

Ich wünsche den frisch gewählten Pfarrgemeinderätinnen und Pfarrgemeinderäten, dass sie mit Mut und Elan in diese Wahlperiode starten. Die Aufgaben, die sie erwarten, sind zahlreich, die Herausforderungen vor Ort nicht wegzudiskutieren. Aber: so lange es Menschen gibt, die sich für ihre Kirche vor Ort einsetzen, die dabei auch bereit sind, über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen, sich zu vernetzen und weiterzuentwickeln, solange werden unsere Pfarrgemeinden lebendige Orte des Glaubens bleiben.


Verfasst von:

Alexandra Hofstätter

Geschäftsführerin des Landeskomitee der Katholiken in Bayern