Ausgabe: Mai-Juni 2026

Meditation

Die Kunst der Atempause

Foto: Andrew Martin auf Pixabay

Bei einem lebendigen, angeregten Mittag- oder Abendessen in meiner Ordensgemeinschaft kommen wir thematisch manchmal schnell vom einen zum anderen. Wir hüpfen gleichsam von Thema zu Thema. Es wird ein Stichwort aufgegriffen, und schon ist man beim nächsten. Neulich war eine Schwester aus dem Ausland bei uns zu Gast, die uns dieses Gesprächstempo spiegelte: Kaum hätte sie sich in ein Thema eingehört, wären wir schon beim nächsten gewesen, so sagte sie. Durch diese Rückmeldung sind wir jetzt aufmerksamer geworden auf die, die mehr Zeit brauchen, weil es sprachlich nicht so schnell geht. Und eigentlich ist diese Entschleunigung auch für uns gut.

In der Arbeit, bei der einen oder anderen Teamsitzung, wird ebenso schnell und viel gesprochen. Die Zeit ist knapp und die To-do-Liste lang. Da erinnerte ich mich neulich an einen Hinweis, den der Hl. Ignatius von Loyola seinen Mitbrüdern mitgab, die er zum Konzil von Trient (1545) schickte. Er sagte ihnen, dass es von größerer Hilfe sei, langsam, bedächtig und liebevoll zu sprechen, und dass sie beim Zuhören lernen können und es nützlich sei, dabei innerlich ruhig zu bleiben, um die Gedanken, Gefühle und Absichten der Sprechenden aufnehmen zu können, um danach besser zu antworten bzw. um besser zu schweigen (vgl. Ignatius von Loyola, Trost und Weisung). Oh, wie wahr! Oft überlegen wir uns beim Zuhören bereits unsere Antwort und wir hören nur scheinbar zu. Oder wir sind ganz in Besitz genommen, die eigenen Argumente zu verteidigen, und lassen die Argumente der anderen zu wenig an uns herankommen.

Wenn sich in diesen Monaten in den Pfarreien die Pfarrgemeinderäte neu konzipieren, vielleicht lohnt es sich, gemeinsam auf mehr Atempausen, die auch Denkpausen sein können, zu achten. Oder sogar eine Person zu bitten, diese Funktion im Gesprächsablauf zu übernehmen. Nicht nur, um zu mahnen, sich nicht gegenseitig ins Wort zu fallen, sondern auch, um ein wenig zu entschleunigen, um Argumente nachklingen zu lassen und so sich besser zu verstehen. Es ist eine Kunst, Atempausen einzulegen, doch sie helfen für eine gelungene Kultur in der Kommunikation.


Verfasst von:

Sr. Stefanie Strobel sa

Geistliche Direktorin am Institut für publizistische Ausbildung (ifp) in München