Ausgabe: September-Oktober 2026

Schwerpunkt - Vor Ort

Den Menschen Brot und Rosen sein

Mithilfe von VR-Brillen gehen Senioren in der Tagespflege auf virtuelle Entdeckungsreisen – ein innovatives Angebot, das Freude und neuen Gesprächsstoff bringt. Foto: SARAH WEISS

Elisabethen- und Krankenpflegevereine

Ein Elisabethen- oder Krankenpflegeverein ist ein gemeinnütziger Verein, der sich der Pflege und Unterstützung bedürftiger Menschen widmet. Oft orientiert er sich am Vorbild der Heiligen Elisabeth, die für ihre Großherzigkeit und Mildtätigkeit bekannt ist. Ein Einblick in die Arbeit des St. Elisabethenverein St. Bonifaz in München und des Krankenpflegevereins Burgau.

Seit 1926 gibt es den St. Elisabethenverein der Pfarrei St. Bonifaz in München. Was – ehemals der Abtei zugeordnet – als Suppenküche und ambulante Krankenstation begann, entwickelte sich zu einem Verein, dessen Schwerpunkt heute in der finanziellen Unterstützung von bedürftigen Menschen liegt, die in irgendeiner Form mit St. Bonifaz verbunden sind. „Das sind beispielsweise Frauen mit geringen Altersrenten, die bei Anschaffungen im Haushalt oder kostspieligen medizinischen Hilfsmitteln unterstützt werden, oder finanziell schwächer gestellte Familien, die Geld für Schulbedarf oder Nachhilfe benötigen”, berichtet Schatzmeisterin Claudia Schlosser. Daneben finanziert der Verein zwei von der KJF durchgeführte Lernhilfegruppen für Kinder vom fünften bis zum 13. Schuljahr aus Familien mit Migrationshintergrund. Es gibt aber auch Angebote für ältere Menschen: Viermal im Jahr organisiert der Verein nach dem Senioren- und Krankengottesdienst einen gemeinsamen Nachmittag mit Kaffee und Kuchen sowie ein gemeinsames Mittagessen für zwölf bis 15 alleinstehende ältere Menschen in einer Gaststätte. Mit seinem Engagement versucht der Verein, für andere „Brot und Rosen“ zu sein. Das schließt schnelle und unbürokratische Hilfe in Notfällen ebenso ein wie langfristige Projektarbeit, um die Lebenssituation von Menschen nachhaltig zu verbessern.

Pflege mit Herz und VR-Brillen

Die Geschichte des Burgauer Krankenpflegevereins reicht bis an den Anfang des vorigen Jahrhunderts zurück. Am 26. Februar 1905 hob Stadtpfarrer Schmid den Verein aus der Taufe. Damals pflegten Franziskanerschwestern alte und kranke Menschen in Burgau. Heute bietet der Verein neben ambulanter Pflege, Tagespflege und Pflegeberatung auch betreutes Wohnen und „Essen auf Rädern” an. Die zweite Vorständin Helga Bolg war selbst 25 Jahre lang eine der mittlerweile etwa 50 Pflegekräfte im Verein. Sie sieht die große Kompetenz der Arbeit in der Nähe und Freundlichkeit der Pflegekräfte: „Viele Menschen, die wir betreuen, sind den ganzen Tag oder sogar die ganze Woche allein. Sie freuen sich sehr, wenn man kommt und einfach nett zu ihnen ist! Ich habe auch oft mit ihnen gesungen. Es ist aber auch oft sehr schwierig, wenn ich komme und sehe, dass es jemandem überhaupt nicht gut geht, ich aber nur eine bestimmte Zeit bei der Person bleiben kann. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich dann nach meiner Tour noch einmal hingefahren bin.“

Neben der persönlichen Zuwendung kommt moderne Technik zum Einsatz: In der Tagespflege können Demenzkranke mithilfe von Virtual-Reality-Brillen für zehn bis 15 Minuten in fremde Welten eintauchen und auf Reisen gehen. „Die sitzen da und schwärmen vom Meer“, erzählt Helga Bolg. „Das sorgt immer für große Begeisterung.“ Für diese „Pflege mit Herz“, wie der Verein sie selbst bezeichnet, hat der Krankenpflegeverein Burgau in der vorigen Prüfung des Medizinischen Dienstes die Note „sehr gut“ erhalten.


Verfasst von:

Sarah Weiß

Freie Autorin