Ausgabe: Juli-August 2026
KolumneNicht ganz dicht?
Offenheit in ihrer schönsten Form
Wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein. Sagen jedenfalls Stimmen aus dem Volksmund. Recht haben sie. Nehmen wir einen Schwamm. Also einen richtigen, aus der Natur. Einen mit diesen Löchern, Poren oder wie auch immer. Einen, der sich beim Betasten nach Schwamm anfühlt. Er hat diese Durchlöcherungen. Was in seinem Fall gut ist, denn somit kann er die Aufgabe eines Schwammes perfekt erfüllen. Ein solcher Schwamm ist nicht ganz dicht – er ist überhaupt nicht dicht. Weil er von Natur aus ganz anders angelegt ist. Durch seine Beschaffenheit ist er in der Lage, sehr viel Wasser aufnehmen und auch wieder abgeben zu können. Somit ist er, mit Verlaub, kein bisschen dicht. Es sei denn, man würde ihn einer Behandlung unterziehen und ihn zwangsabdichten. Das wäre wider die Natur und würde ihn seiner Bestimmung berauben.
Nehmen wir einen Christen. Also einen richtigen, aus der Gemeinde. Einen mit diesen Ecken und Kanten oder wie auch immer. Einen, der sich beim Betasten … nun, wie fühlt er sich an? Er hat diese Art, anders zu leben als alle Welt. Was in seinem Fall gut ist, denn somit kann er die Mission eines Christen perfekt erfüllen. Ein solcher Christ mag aus Sicht der Welt betrachtet, mit Verlaub, nicht ganz dicht sein. Es sei denn, er würde sich auf Biegen und Brechen verformen lassen. Das wäre wider Gott und würde ihn seiner Bestimmung berauben.
Nehmen wir Jesus. Er ist der Messias, von Gott gesandt. Er ist makellos und ging trotzdem für uns ans Kreuz. Der Jünger Thomas wollte die Wundmale Jesu betasten. Jesus war auferstanden. Er stellte die Welt auf den Kopf. Er hat sich brechen lassen – seinen Leib für unser Heil. Wäre er nicht gehorsam gewesen, wäre das wider Gottes Plan gewesen und hätte ihn seiner Bestimmung beraubt.
Nehmen wir die Frau am Jakobsbrunnen. Die mit dem Durst und den Männern. Die Samariterin, die um die Mittagszeit Wasser schöpfen wollte. Von den Juden wollte sie für gewöhnlich niemand zu fassen bekommen. Jesus stellte ihre Welt auf den Kopf. Er ließ sie nicht mit ihrem Durst zurück, das wäre wider Gottes Willen gewesen. Jesus sagte ihr deshalb von der Quelle, die den Durst stillt – der Quelle, die nie versiegt und das ewige Leben schenkt.
Nehmen wir das für uns an? Dass wir nicht dichtmachen für das, was Gott uns zu sagen hat? Dass wir durchlässig bleiben für das, was Gott uns schenken mag? Dass wir anderen davon weitersagen? Bei Jesus ist die Quelle des Lebens. Nur das Wasser, das er uns gibt, speist sich aus der nie versiegenden Quelle, die ewiges Leben schenkt. Nicht schwammig bleiben. Klare Sache machen. Nicht ganz dicht sein – hier die rettende Devise!
Von der anderen Lesart
Alle sind gemeint. Das genau meint das generische Maskulinum, das hier verwendet wird.