Ausgabe: Mai-Juni 2026
Schwerpunkt - Vor OrtWer einlädt, gewinnt!
Wenn sich die neu gewählten Pfarrgemeinderäte konstituieren, werden viele von ihnen sich schon Gedanken über die anstehenden Themen machen, werden vielleicht in Klausur gehen, um sich als neu zusammengesetztes Gremium besser kennenzulernen, um Ideen zu entwickeln und Jahrespläne aufzustellen. Schnell ist man dabei im Fahrwasser des Alltagsgeschäfts. Manchmal tut es gut, innezuhalten und sich zu fragen: haben wir wirklich alle Menschen in unserer Pfarrgemeinde im Blick bei dem, was wir tun? Sind wir eine einladende Gemeinde?
Junge Menschen
Schauen Sie in die Runde – sitzen junge Menschen mit am Tisch? Besteht Kontakt zu den örtlichen Jugendgruppen? Wenn Sie mit Angeboten gezielt junge Menschen ansprechen wollen, dann binden Sie diese unbedingt in die Planungen mit ein. Entscheiden Sie nicht über deren Köpfe hinweg. Und noch etwas: die nächste Wahl kommt in vier Jahren. Nutzen Sie die Zeit bis dahin, um junge Menschen an der Arbeit in der Pfarrei zu beteiligen. Das motiviert den ein oder die andere vielleicht beim nächsten Mal zu kandidieren – aber nur, wenn sie sich ernstgenommen und mit ihren Themen gehört fühlen.
Neuzugezogene
Gehen Sie proaktiv auf neue Gemeindemitglieder zu – zum Beispiel mit einem Starterpaket, das Informationen zur Pfarrgemeinde und ihren Angeboten enthält, oder laden Sie Neuzugezogene gezielt zu einem gemeinsamen Kennenlernen ein.
Kranke, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen
Wenn Menschen erkranken oder sich um ihre pflegebedürftigen Angehörigen kümmern, ziehen sie sich oftmals aus dem sozialen und öffentlichen Leben zurück. Werden Sie aufmerksam, wenn Ihnen bekannte Gesichter plötzlich bei den Aktivitäten in Ihrer Pfarrgemeinde fehlen, und überlegen Sie, wie Sie als Pfarrgemeinde unterstützen können – zum Beispiel mit einem Angebot, das pflegenden Angehörigen Raum und Zeit für sich schafft oder mit einem simplen Besuchsdienst für kranke und betagte Menschen, die nicht mehr zum Gottesdienst kommen oder an anderen Angeboten teilnehmen können. Manchmal hilft hier auch schon ein Fahrdienst, organisiert vom Pfarrgemeinderat.
Menschen mit Migrationshintergrund
Migrantinnen und Migranten sind häufig zurückhaltend – sei es, weil sie unsere Sprache noch nicht so gut sprechen oder weil sie sich in der neuen Umgebung noch unsicher fühlen. Gehen Sie aktiv auf Menschen mit Migrationshintergrund zu, erzählen Sie ihnen von den Angeboten, die für sie interessant sein könnten: vom Seniorennachmittag, von der Eltern-Kind-Gruppe oder den Sprachkursen des Kreisbildungswerks. Und laden Sie sie gezielt zu den Aktivitäten der Pfarrei ein.
Alle sozialen Schichten im Blick
Arm zu sein, ist vielen Betroffenen peinlich. Sie versuchen, ihre Situation geheim zu halten und ziehen sich deswegen oft zurück. Teilhabe geht verloren. In jeder Gemeinde gibt es bedürftige Menschen – Alleinerziehende, Verwitwete, ältere Menschen, Migrantinnen und Migranten – nur, weil man sie vielfach nicht wahrnimmt, heißt das nicht, dass sie nicht da sind. Überlegen Sie in Ihrem Gremium, wie man diesen Menschen ein Stück der Teilhabe am sozialen Leben zurückgeben kann. Aber Vorsicht: dieses Thema braucht ein sensibles Vorgehen, um die Betroffenen nicht weiter in ihrer Würde zu verletzen.
Zusammenwachsen der neuen Seelsorgebereiche
Strukturelle Veränderungen in den Diözesen haben in den vergangenen Jahren neue Seelsorgeeinheiten entstehen lassen – von Diözese zu Diözese heißen diese unterschiedlich und sind verschieden groß. Eines aber ist ihnen allen gemeinsam: viel mehr als früher erfordern sie ein „Denken über den eigenen Kirchturm hinaus“, eine Zusammenarbeit untereinander und ein Bewusstsein, dass manche Themen besser zusammen angegangen werden. Verabschieden Sie sich von einer „Mia san Mia-Festungsmentalität“ und machen Sie die Türen für die Menschen aus den Nachbargemeinden weit auf!