Ausgabe: Mai-Juni 2026
KolumneAngeknipst sein
„Pfarrgemeinderat“ lautet also das Thema, von dem diese Ausgabe bestimmt sein sollte. Wenn wir uns den Begriff von Augen halten, steht im Mittelpunkt dieses Leitthemas die Gemeinde, umringt von Pfarr-Aspekten und dem Rat – Pfarrgemeinderat. Was können wir damit anfangen? Fangen wir an mit den Wortbedeutungen, weil diese uns sachdienliche Hinweise liefern. Eine Pfarre bedeutet dem Duden nach eine Pfarrei und bringt die Synonyme Gemeinde und Sprengel mit sich. Gehen wir weiter zur Gemeinde – in unserem Kontext ganz klar eine christliche Gemeinde bzw. Versammlung – im besten Fall eine Schar der an Christus Gläubigen. Und ein Rat kann ein Gremium meinen oder einen Ratschlag, der in aller Regel gut gemeint ist. Was machen wir nun daraus?
Bringen wir einmal alles zusammen. Auf folgenden Nenner könnte man das bringen: einen gut gemeinten Rat an die christliche Gemeinde. Wie könnte dieser lauten, was ist für uns wichtig? Einerseits natürlich, dass wir im Glauben fest verwurzelt sind, dass wir im Glauben wachsen, dass wir am Weinstock bleiben, nah bei Christus, weil von ihm die Kraft für unser Wachstum ausgeht. Das ist das Wissen um den Weinstock und die Reben. Wir sind verzweigt, ranken und wachsen, sind miteinander verbunden, haben eine gemeinsame Ausrichtung – zu Christus hin. Er ist unsere Aus- und Zielrichtung. Ihm wachsen wir entgegen. Aber Christsein ist keine Sache fürs stille Kämmerlein. Wir sollen nicht vereinzelt sein. Die „Gute Nachricht“ gilt es vielmehr hinaus in die große weite Welt zu rufen. Das macht jeder auf seine eigene Art, einzig wichtig ist, dass es jeder macht. Wir sollen und dürfen Salz und Licht sein. Wir dürfen strahlen, dürfen Licht ins Leben anderer Menschen hineinscheinen lassen. Wenn das viele Christen an vielen verschiedenen Orten tun, wird die Welt ein bisschen heller – und dies soll keine Postkartenweisheit sein. Es ist vielmehr der Auftrag an uns Christen.
Denken wir kurz an Konzerte zurück, in denen die Leute heutzutage ihre Handys aufleuchten lassen – in früheren Zeiten waren das angeknipste Feuerzeuge gewesen. Ganze Lichterteppiche sind da entstanden. Oder wenn jemand abends im Flugzeug sitzt und kurz nach dem Abflug auf die Lichter der Stadt zurückblickt. Wenn dann alles immer kleiner und kleiner wird, bleiben irgendwann nur noch winzige Lichtpunkte, viele an der Zahl, die aufleuchten und die dunkle Masse dort unten überhaupt erkennbar machen. Zurück zu uns und unserem Auftrag als Christen: Stellen wir uns vor, dass jeder von uns, der vom Evangelium weitersagt, ein kleines Licht in der Welt darstellt. Von unten sehen wir nicht viel davon. Aber von oben betrachtet sind wir viele – und das macht Hoffnung und so manches Dunkel hell. Halten wir uns dieses Hoffnungsbild vor Augen. Das sollte der gut gemeinte Rat an uns als christliche Gemeinde sein, dass wir unsere leuchtende Hoffnung nicht im stillen Kämmerlein lassen, dass wir unser Licht nicht unter den Scheffel stellen. Sondern dass wir vielmehr um die Sprengkraft des Leuchtens wissen, dass wir unser Lichtpotenzial hinaustragen in die Welt, um einer der vielen Lichtpunkte sein zu dürfen. Jeder in seiner Gemeinde, jeder in seinem Sprengel. Sind wir schon angeknipst?