20. Mai 2026
Haltung zeigen, Räume schützen: Demokratie vor Ort stärken
Der Ton im öffentlichen Diskurs wird rauer – ein Phänomen, das längst auch die kommunalen und kirchlichen Gremien erreicht hat. Mandatsträger und Ehrenamtliche sehen sich vermehrt Anfeindungen gegenüber, die das ehrenamtliche Engagement und damit die Basis unserer demokratischen Kultur gefährden. Um Strategien gegen diese Entwicklung zu diskutieren, lud die Katholische Akademie in Bayern am 20. Mai 2026 in Kooperation mit dem Landeskomitee der Katholiken in Bayern erneut zum Akademiegespräch unter dem Titel „Haltung zeigen, Räume schützen“ ein.
Florian Hölzl, Erster Bürgermeister der Marktgemeinde Pfeffenhausen, betonte in seinem Impuls die Kraft der „radikalen Transparenz“. Hölzel, der für sein zivilgesellschaftliches Engagement 2023 mit dem Toleranzpreis des Bayerischen Bündnisses für Toleranz ausgezeichnet wurde, sieht in ehrlicher Kommunikation das wichtigste Mittel, um Spekulationsräumen vorzubeugen. Politik müsse „beim Konkreten“ bleiben: Die Pflege lokaler Strukturen und das Kümmern um alltägliche Anliegen seien essenziell, um den Zusammenhalt in der Gemeinschaft zu festigen. Die kommunale Selbstverwaltung biete hierfür den notwendigen Gestaltungsspielraum, den es aktiv zu nutzen gelte.
David Beck, Beauftragter der bayerischen Justiz zur strafrechtlichen Bekämpfung von Hate Speech, zog die notwendigen rechtlichen Grenzen. Er stellte klar, dass der Staat nicht den Diskurs, sondern nur strafbare Delikte wie Volksverhetzung oder Bedrohung verfolgt. Beck warnte eindringlich vor dem „Silencing-Effekt“, bei dem sich Engagierte aus Sorge um Sicherheit und Privatsphäre aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Er ermutigte dazu, das Internet nicht als rechtsfreien Raum zu akzeptieren: Die Aufklärungsquote bei Straftaten sei hoch, und Betroffene sollten Vorfälle konsequent zur Anzeige bringen.
Aus der Perspektive der kirchlichen Gremien zeigte sich die Bedeutung der „geistig-moralischen Vorbereitung“: Wer sich im Vorfeld auf kritische Situationen einstellt und seine eigenen Werte definiert, agiert in der hitzigen Debatte souveräner. Hauptamtliche, wie Bürgermeister oder Pfarrer, tragen hierbei eine besondere Verantwortung als Mentoren für Ehrenamtliche.
Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass der Schlüssel zur Resilienz in der analogen Begegnung liegt. Während digitale Räume oft zur Polarisierung genutzt werden, stiftet das gemeinsame Wirken vor Ort – etwa durch die Zusammenarbeit von Vereinen und Pfarreien – einen „Common Sense“.
Das Akademiegespräch bot somit eine fundierte Orientierung: Haltung zeigen, transparent kommunizieren und sich auf den Zusammenhalt in der Gemeinschaft verlassen. Wer sich für das Gemeinwohl einsetzt, steht nicht allein – weder politisch noch rechtlich.