Ausgabe: September-Oktober 2025

Aus Räten und Verbänden

Was macht den KDFB katholisch?

Monsignore Boeck, Tanja Pichlmeier, Lisa Walden und Britta Wörndle führen bei der KDFB-Landesdelegiertenversammlung die Diskussion zu „Was macht den KDFB katholisch?“ Foto: KDFB / Kleinert

Umfrage zeigt: Das „K“ gehört dazu – genauso wie der Wunsch nach Reformen

Während der Schweizerische Katholische Frauenbund künftig auf das Wort „katholisch“ im Namen verzichtet, steht eine solche Änderung für den Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) Bayern nicht zur Debatte. Das ist das Ergebnis der breit angelegten Umfrage „Was macht den KDFB katholisch?“, die der Landesverband Bayern im gesamten KDFB initiiert hat.

Warum am „K“ festhalten – gerade im Licht von Missbrauch und oft kritisierter mangelhafter Aufarbeitung in der katholischen Kirche? Wie passt es zusammen, dass Frauen in der römisch-katholischen Kirche nach wie vor keine Diakoninnen oder Priesterinnen werden können, der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) sich aber für Gleichberechtigung starkmacht?d

Kritischen Fragen wie diesen müssen sich KDFB-Frauen auf allen Ebenen stellen – und viele stellen sie sich auch selbst.

„Trotzdem wollten wir das ‚K‘, das seit der Gründung 1903 zum KDFB gehört, nicht einfach zur Disposition stellen“, so der zuständige Landesvorstand. Denn bei aller öffentlichen Kritik am Handeln der Institution Kirche ist im Verband eine tiefe Verbundenheit mit dem Katholisch-Sein spürbar – mit dem Glauben, den Ritualen, der spirituellen Heimat.

Vor diesem Hintergrund wurde bereits vor zwei Jahren die Projektgruppe „KDFB + katholisch“ ins Leben gerufen. Das Besondere: Die Mitarbeit stand allen Frauenbundfrauen offen und ermöglichte vernetztes, ebenenübergreifendes Arbeiten. Gemeinsam, transparent und ergebnisoffen wurde nachgespürt, was den KDFB katholisch macht!

Die Kommunikationswissenschaftlerin Lisa Walden aus Regensburg führte die Umfrage und Auswertung durch. Der KDFB Bayern veröffentlicht nun die Ergebnisse.

Gelebte Gemeinschaft statt Institution

78 Prozent der Umfrageteilnehmerinnen betonen, dass die Kirche vor Ort eine wichtige Rolle in ihrem Alltag spiele. Zwei Drittel nehmen regelmäßig an Gottesdiensten und pfarrlichen Angeboten teil. Zugleich erklären jedoch 85 Prozent, dass solche liturgischen Angebote nicht ausschlaggebend dafür seien, was für sie persönlich „katholisch" bedeute: „Das zeigt, dass Frauenbundfrauen stark in ihren Pfarrgemeinden verankert sind, Verantwortung übernehmen und aktiv mitgestalten", betont Monsignore Rainer Boeck, Geistlicher Beirat im Landesvorstand, der die Projektgruppe begleitete. „Für viele unserer Mitglieder steht der Namensbestandteil ‚katholisch' nicht zuerst für eine Institution, sondern für gelebte Gemeinschaft und geteilte Werte."

Trennung von Glauben und Kirche

Dazu gehört auch, dass 53 Prozent der Befragten angeben, ihren Glauben von der Kirche zu trennen. Ein Trend, der eine gesamtgesellschaftliche Realität widerspiegelt und immer stärker geäußert wird. 10 Prozent der Befragten im KDFB denken über einen Kirchenaustritt nach oder sind bereits ausgetreten. 3 Prozent gehören einer anderen Konfession an. 87 Prozent sind und bleiben Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Der KDFB stellt sich damit deutlich gegen den gesellschaftlichen Trend der Abkehr von der Konfession. Neueste Zahlen zeigen: Erstmals gehören in Deutschland mehr Menschen keiner Religionsgemeinschaft an als den beiden großen Kirchen. 39 Millionen Menschen sind konfessionslos, 38 Millionen katholisch oder evangelisch. Zum Vergleich: Waren 1990 nur 22 Prozent konfessionslos, sind es heute 45 Prozent.

Verwurzelt im Katholisch

Ein KDFB-Mitglied schreibt die persönlichen Gedanken zu „Katholisch im KDFB ist für mich…“ auf eine Wortwolke. Foto: KDFB / Kleinert

KDFB-Frauen prägen, wie andere katholische Verbände, das kirchliche Leben vor Ort mit großem ehrenamtlichem Engagement. Sie verbinden den Begriff „katholisch“ mit Gemeinschaft, Wertebasis und Solidarität. Die Bedeutung der Kirche für ihren (Wohn-)Ort schätzen 46 Prozent mindestens als wichtig ein, 32 Prozent finden sie eher wichtig. Die Wertebasis wird am häufigsten als Einfluss von „katholisch“ auf den persönlichen Alltag genannt, gefolgt von sozialer Gerechtigkeit und Engagement. „Darin spiegelt sich die Bedeutung des Wortes ‚katholisch‘ – übersetzt ‚allumfassend‘ – wider“, so Monsignore Rainer Boeck.

Das ist auch die Vision und der Wunsch von vielen KDFB-Mitgliedern: Dem „Katholisch" im KDFB ein eigenes, solidarisches, vielfältiges Wesen geben. Ein Katholisch, das sich in der Gemeinschaft und im Alltag lebendig zeigt und sich wandeln darf.

Klarer Auftrag: Reformen statt Austritte

Denn auch die Forderung nach Wandel bzw. Reformen in der Kirche machen die Umfrageergebnisse sehr deutlich. 97 Prozent der KDFB-Frauen wollen Reformen, beispielsweise mehr Geschlechtergerechtigkeit und strukturelle Veränderungen. „Unsere Frauen wenden sich nicht ab – sie wollen eine Kirche auf Augenhöhe", so Tanja Pichlmeier, Projektleiterin der Gruppe „KDFB + Katholisch“ und kommissarische KDFB-Landesvorsitzende. Frauenbundfrauen entscheiden sich für „auftreten statt austreten" – entgegen dem Trend steigender Kirchenaustritte.

Die Auswertung zeigt auch, dass Reformorientierung nicht auf eine Altersgruppe oder eine bestimmte Region beschränkt ist, sondern breit in der Mitgliedschaft verankert ist.

Der KDFB drängt seit vielen Jahrzehnten immer wieder beharrlich darauf, dass die katholische Kirche zukunftsfähig werden muss. „Wir leben mit Überzeugung unseren Glauben und sehen nicht tatenlos zu, wenn die Gemeinschaft in der katholischen Kirche ständig kleiner wird. Für uns kann nur eine partnerschaftliche Kirche auch eine glaubwürdige und zukunftsfähige Kirche sein. Frauen und Männer müssen partnerschaftlich und auf Augenhöhe in der Gemeinschaft der Glaubenden das kirchliche Leben gestalten können“, fordert Tanja Pichlmeier.

KDFB-Frauen als Architektinnen für Katholisch-Sein

Die Ergebnisse zeigen: Die Bindung an die Kirche ist zugleich kritisch und selbstbewusst. Was „katholisch“ bedeutet, muss sich wandeln dürfen und zu den Gläubigen passen. „KDFB-Frauen können hier Architektinnen sein und öffentlich sichtbar machen, wie man katholisch lebt – offen, kreativ, dialogorientiert und inklusiv“, erklärt Tanja Pichlmeier.

Dahinter steht die Hoffnung, dass ein positives Bild von „katholisch“ durch das Engagement des KDFB nach innen und außen ausstrahlt. Interessant wäre die Frage, ob auch andere katholische Verbände eine vergleichbar klare Resonanz ihrer Mitglieder erhielten.

„Katholisch“ ist mehr als die römisch-katholische Amtskirche

Das Umfrageergebnis ermutigt zu einem neuen Blick auf „katholisch". Nicht nur die Amtskirche zählt, sondern die konkrete Lebenswirklichkeit der Menschen mit ihren Überzeugungen und Bedürfnissen. Diesen Beitrag hat die Umfrage geleistet. Sie bietet eine empirisch fundierte Grundlage für innerverbandliche Reflexion ebenso wie für kirchliche Reformprozesse. Die Umfrageergebnisse könnten auch für andere katholische Verbände interessant sein, die ähnliche Identitätsfragen klären möchten.

So bleibt das „K“ im KDFB – jedoch nicht als bloßes Etikett, sondern als lebendiger Auftrag, Kirche aktiv und positiv mitzugestalten.

Über den KDFB

Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) Landesverband Bayern ist mit seinen 119 000 Mitgliedern der größte Frauenverband des Freistaats. Gegründet 1911 von Ellen Ammann (1870 – 1932), setzt er sich für Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Frauen in Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ein.


Verfasst von:

Gerlinde Wosgien

Presse- und Öffentlichkeitsreferentin im Katholischen Deutschen Frauenbund - Landesverband Bayern