Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern richtet seine Forderungen an die Bayerische Staatsregierung, Kommunen, Landkreise und, wo nötig, an den Bund. Damit will das Landeskomitee seine Position zu Integration bekräftigen und alle Engagierten ermutigen, sowohl im politischen, gesellschaftlichen als auch im kirchlichen Bereich an ihrem Engagement festzuhalten.
Zentrale Forderungen und Bekräftigungen
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- Asylrecht verteidigen
- Uneingeschränkte Einhaltung des internationalen, europäischen und deutschen Asylrechtes. Keine Auslagerung von Asylverfahren außerhalb der EU.
- Keine Zurückweisung von Asylsuchenden ohne Prüfung des für das Asylverfahren zuständigen Staates.
- Schutz für Menschen, die von Krieg, Folter, Verfolgungen und Menschenrechtsverletzungen betroffen und bedroht sind – unabhängig vom Herkunftsland.
- Schutz für Kriegsdienstverweigerer aus Russland, Belarus und der Ukraine.
- Asylrecht verteidigen
- Teilhabe sichern
- Sofortiger Zugang zu Sprache, Bildung, Arbeit, Ehrenamt.
- Nachhaltiger Spracherwerb durch mehr Begegnungs- und Konversationsmöglichkeiten aktiv fördern.
- Bildungschancen der nächsten Generationen gerecht gestalten: gleichberechtigter Zugang zu schulischen und außerschulischen Angeboten, bedarfsgerechte Unterstützung.
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- Rechtssicherheit schaffen
- Keine Abschiebung integrierter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
- Möglichkeiten zu Änderungen des Aufenthaltsstatus durch Aufnahme von Arbeit. Klare Bleiberechtsregelungen für langjährig Geduldete.
- Strukturen vor Ort stärken
- Netzwerke aus Verwaltung, Bildung, caritative Verbände und Ehrenamt systematisch ausbauen und verbessern.
- Integrationsfreundliche und diversitätssensible Haltung in Behörden durch kulturelle Öffnung und Abbau von strukturellen Hürden fördern.
- Legale Migration erleichtern
- Verfahren zur Arbeitsmigration (Visaverfahren) und Anerkennung von ausländischen Abschlüssen vereinfachen. Anerkennung der Ausübung von Freiwilligendiensten als Visagrund.
- Gegebene Aufnahmezusagen einhalten (beispielsweise Unterstützungskräfte Afghanistan). Familienzusammenführung für subsidiär Schutzberechtigte ermöglichen.
- Humanitäre Aufnahmeprogramme weiterführen und ausbauen (Möglichkeit zur Gestaltung von Migration).
- Auslandsvertretungen personell und technisch besser ausstatten.
- Potenziale nutzen und Chancen eröffnen
- Zugewanderte Menschen auch als wirtschaftliche Ressource verstehen und sie gemäß ihrer Qualifikation einsetzen und fördern.
- Menschen mit Migrationshintergrund aktiv in soziale, kulturelle und gesellschaftliche Teilhabeprozesse einbinden.
- Menschenrechte sichern und Demokratie stärken
- Keine Aushöhlung grundlegender Rechte durch Abschreckungspolitik (z.B. Frauenrechte, Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit).
- Verantwortungsbewusste Ethik als Maßstab für Migrationsarbeit.
- Abkehr von Maßnahmen, die, oftmals nur vermeintlich, Asylsuchende abschrecken sollen.
- Abkehr von einer Haltung, die Geflüchtete für Missstände verschiedenster Art im Inland verantwortlich macht und die gesellschaftliche Stimmung gegen sie aufheizen
Hintergrund und Begründung
Biblische Erzählungen enthalten zahlreiche Beispiele für Flucht und Neuanfang: Abraham verlässt seine Heimat (Gen 12), Mose führt das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten (Ex 3), Rut lebt als Zugewanderte in Israel (Rut 1), und die Heilige Familie flieht nach Ägypten (Mt 2,13–15).
Papst Franziskus betont in Fratelli tutti (Nr. 129), dass Migration global koordiniert gestaltet werden muss. Die Deutsche Bischofskonferenz erklärt: „Die Menschenwürde ist der Glutkern des christlichen Menschenbildes.“ (2024) Dies bekräftigt damit den Standpunkt von 2016: „Die Fürsorge für Flüchtlinge und Migranten gehört zum Selbstverständnis der Kirche. Unsere christliche Identität tritt gerade dann besonders deutlich zutage, wenn jede Person, die in unserem Land Zuflucht sucht, menschenwürdig behandelt wird.“ (DBK, Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge)
Nicht ohne Grund ist das Asylrecht in Artikel 16a GG verankert: „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.“ In den aktuellen populistischen Debatten werden Geflüchtete, Migrantinnen und Migranten zunehmend – zu Unrecht – für gesellschaftliche Krisen verantwortlich gemacht. Dies untergräbt die globale Gerechtigkeit und Solidarität.
Demografische und wirtschaftliche Lage
Deutschland ist eine Migrationsgesellschaft. 30,4% (2024) der Menschen haben in Deutschland einen Migrationshintergrund. Diese Vielfalt spiegelt sich jedoch nicht gleichmäßig in der Gesellschaft wider.
Bis 2060 wird die Zahl der Erwerbspersonen in Deutschland um etwa 5 Millionen sinken (IAB, 2023). In Bayern werden bis 2030 über 640.000 Fachkräfte fehlen (Fachkräftemonitor Bayern). Besonders betroffen sind Pflege, Handwerk und Bildung. Das hat negative Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung, das Rentensystem und die Steuereinnahmen.
Internationale Rahmenbedingungen mit Auswirkungen auf Europa
- Armut: In Teilen Subsahara-Afrikas lebt mehr als ein Drittel der Bevölkerung unter der internationalen Armutsgrenze (Weltbank 2023).
- Klimawandel: In der Sahelzone haben sich seit 1970 extreme Dürren verdoppelt (IPCC).
- Politische Instabilität: Afghanistan (und beispielsweise Venezuela) leiden unter langanhaltenden Wirtschaftskrisen und Machtkonflikten (UNHCR Länderinformationen).
- Bewaffnete Konflikte: Brennpunkte Naher Osten und Sudan haben zusammen über 20 Millionen Vertriebene (UNHCR Global Trends 2024).
Integration in Bayern
Ende 2023 lebten rund 3,9 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Bayern (Bayerisches Integrationsministerium). In Großstädten liegt der Anteil deutlich höher als in ländlichen Regionen. Integration gelingt dort besonders gut, wo Behörden, Bildungseinrichtungen, Wirtschaft und Ehrenamt eng kooperieren.
Kirchliche Praxis
Katholische Einrichtungen und Organisationen leisten seit Jahren eine wichtige Arbeit und stellen finanzielle Mittel in der Flüchtlingshilfe bereit. Insbesondere die Caritas und ihre Fachverbände in Bayern tragen durch Migrationsberatungsstellen, Sprachkurse und Arbeitsmarktprojekte zur Integration bei. Auch viele ehrenamtlich tätige Frauen und Männer engagieren sich hierzu in ihren Pfarrgemeinden und kirchlichen Organisationen.
Von der Herbstvollversammlung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern am 15. November 2025
in Deggendorf mehrheitlich bei drei Enthaltungen beschlossen.
Beitragsbild: Adobe Stock / AminaDesign
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