| Pressemitteilung - 2. April 2011-2 |
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„Bildung mit Blick auf den ganzen Menschen“ Landeskomitee der Katholiken: Wissen nicht auf wirtschaftliche Verwertbarkeit reduzieren Passau, 2. April 2011. Eine ganzheitlich ausgerichtete Bildung anstatt wettbewerbsorientierter Kompetenzvermittlung fordert das Landeskomitee der Katholiken in Bayern. „Schulische Bildung muss den Menschen in seiner Gesamtheit, als Ebenbild Gottes in den Blick nehmen, deshalb darf sie nicht auf die wirtschaftliche Verwertbarkeit reduziert werden“, heißt es in der Erklärung „Schulische Bildung – Christliche Orientierungen“, die die Mitglieder des Landeskomitees zum Abschluss ihrer Frühjahrsvollversammlung in Passau am Samstag, 2. April, verabschiedeten. Zuvor hatten sie sich im Rahmen eines Studienteils bei Referaten und einer Podiumsdiskussion mit dem Thema Bildung auseinandergesetzt. Es gehe „nicht darum, alle Potentiale eines Menschen auszuschöpfen und ihn damit wirtschaftlich verwertbar zu machen“, betonte Gisela Häfele, Stellvertretende Vorsitzende des Landeskomitees und Leiterin der Vorbereitungsgruppe für den Studienteil, in ihrem Impulsreferat: „Junge Menschen brauchen mehr als Kompetenz – sie brauchen auch Sinnorientierung. Kinder und Jugendliche müssen sich umfassend mit der Welt auseinandersetzen können. Die Kernfrage christlicher Bildung lautet: Wie kann Leben gelingen?“ Antworten auf diese Frage zu geben, sei „nicht nur Aufgabe des Religionsunterrichts. Auch in allen anderen Fächern müssen diese Fragen und Aspekte ihren Ort finden“. Mit Blick auf die anstehende Lehrplanreform in Bayern, die noch in diesem Jahr mit der Entwicklung von so genannten Kompetenz-Modellen für die Grundschule beginnt, verlangte Häfele: „Die Lehrpläne müssen mit Inhalten gefüllt werden, die mit allgemein verbindlichen Werten in allen Fächern übereinstimmen. Die Bayerische Verfassung beschreibt diese Werte, die christlich geprägt sind.“ Andreas Verhülsdonk, Referent im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz für Religionspädagogik, erinnerte in seinem Vortrag an „das Wissen und die Kompetenzen, die Jugendliche in der kirchlichen Jugendarbeit, in Umwelt- und Menschenrechtsgruppen, in den Jugendorganisationen der Parteien oder in Sportvereinen erwerben“, und beklagte eine „Engführung der Bildungsdebatte auf Schulen und Kindertageseinrichtugen und die Missachtung der außerschulischen Erziehung und Bildung“. Zugleich forderte Verhülsdonk, in der aktuellen Bildungsdebatte die Aufmerksamkeit auf die „15 bis 18 Prozent der Jugendlichen am unteren Ende der Leistungsskala“ zu lenken, damit auch diesen durch Bildung eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglicht wird. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion verwies Verhülsdonk darauf, dass der Religionsunterricht heute unter „gänzlich anderen Sozialisationsvoraussetzungen“ stattfinde: „Religionsunterricht ist für viele mittlerweile der erste und wichtigste Ort, an dem sie mit der Botschaft des Evangeliums in Berührung kommen.“ Dabei dürfe es nicht nur allein um die Vermittlung von Werten gehen, sondern in erster Linie um die Gottesfrage: „Ich glaube, dass wir mehr zu bieten haben als die Vermittlung von Werten. Die Kirche ist keine Bundesanstalt für Werte“. Verhülsdonk beklagte auch in der Eltern- und Großelterngeneration „eine verbreitete religiöse Sprachlosigkeit“. Demgegenüber betonte Michael Lindemann, Referent in der Abteilung Bildung bei der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, „Werte sind der Kitt, der vieles zusammenhält. Hier hat der Religionsunterricht einen entscheidenden Einfluss: Sinnhaftigkeit zu stiften“. Lindemann wehrte sich gegen den Vorwurf, die Wirtschaft fördere einen rein funktionalen Bildungsbegriff. Vielmehr brauche auch die Wirtschaft „Persönlichkeiten, die Werteorientierung haben, die geerdet sind, sich am Gemeinwohl orientieren: Wir brauchen keine hemmungslosen Individualisten, sondern Teamplayer“. Dazu müsse sich die Schule dem Umfeld – den Kirchen, den Vereinen, den Verbänden – öffnen, wie umgekehrt auch das Umfeld den Schulen. Elfriede Ohrnberger, Abteilungsleiterin für Grundsatzfragen im Bayerischen Kultusministerium, forderte, Schulunterricht dürfe „nicht nur Wissen und Können vermitteln“, sondern müsse „auch Herz und Charakter bilden.“ Deshalb dürfe „Schule sich nicht auf das reduzieren, was messbar ist“, sondern müsse „einen ganzheitlichen Bildungsbegriff bestmöglich umsetzen“, zumal die Schule heute verstärkt Grundregeln des Zusammenlebens vermitteln müsse, da immer mehr Eltern ihren Erziehungsauftrag nicht wahrnehmen könnten oder wollten. Michael Griesbeck, Vizepräsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, erklärte, gerade Migranten seien darauf angewiesen, zu wissen, auf welcher Grundlage die Gesellschaft, in die sie kommen, ruhe: „Migranten wollen wissen, wofür wir stehen.“ Hier sei Bildung als „Vermittlung von dem, was unsere Gesellschaft ausmacht“, von entscheidender Bedeutung: „Bildung befähigt zur Identifikation mit dieser Gesellschaft.“ In ihrer abschließenden Erklärung unterstreichen die Mitglieder des Landeskomitees, dass schulische Bildung Kinder und Jugendliche zu mitmenschlichem Handeln befähigen und ihnen ermöglichen solle, ihr Leben sinnvoll zu gestalten. Schulische Bildung sei „nicht nur Wissens- oder Kompetenzerwerb, sondern hat immer auch einen Wertehorizont, der die ganze Person betrifft.“ Deshalb brauche es für alle Fächer Lehrpläne mit Inhalten, die mit allgemein verbindlichen Werten übereinstimmen. Hierbei müssten insbesondere die Obersten Bildungsziele, wie sie in Artikel 131 der Bayerischen Verfassung formuliert sind, Berücksichtung finden. Diese Ziele seien christlich geprägt, aber allen Menschen gleichermaßen zugesichert. Ein besonderes Augenmerk lenken die Mitglieder des Landeskomitees auf die Beziehungen zwischen Lehrern, Schülern und Eltern. Da schulische Bildung respektvolle und tolerante Beziehungen voraussetze, müssten die Lehrer „Vorbild und als ganzer Mensch den Schülern ein Gegenüber“ sein. Dies gelte nicht nur für Religionslehrer, sondern für Lehrkräfte aller Fächergruppen. Zugleich brauche es zwischen Lehrern und Eltern einen „Dialog auf Augenhöhe“, insofern die Familie als erste Institution der Bildung für Kinder zu betrachten sei. „Schulische Bildung kann nur gelingen, wenn sich Schüler, Lehrer und Eltern respektvoll begegnen und dabei das Wohl sowie die Interessen des Kindes im Blick bleiben.“ (ck/kbr) Den Wortlaut der Erklärung finden Sie hier |





